Wirtschaftsdünger aufbereiten: Mist, Kompost und die Verluste dazwischen
Zwischen Stall und Feld verschwindet ein erheblicher Teil des Stickstoffs. Wie viel, entscheidet die Lagerung.
Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Im Ökobetrieb ist Wirtschaftsdünger die wichtigste Nährstoffquelle. Wer ihn falsch lagert, verliert einen großen Teil, bevor er auf die Fläche kommt.
Auf einem Ökobetrieb ist Wirtschaftsdünger kein Abfallprodukt, sondern das zentrale Betriebsmittel. Umso bemerkenswerter, wie oft er behandelt wird wie ein Haufen, der wegmuss. Zwischen Stall und Feld lässt sich ein erheblicher Teil des Stickstoffs verlieren — oder erhalten.
Wo die Verluste entstehen
Ammoniak. Der größte Verlustpfad. Er entsteht bei hohem pH und Kontakt mit Luft, also beim Lagern unbedeckter Haufen, beim Wenden und beim Ausbringen an warmen, windigen Tagen.
Nitrat-Auswaschung. Aus Haufen ohne befestigte Sohle und ohne Abdeckung wandert Nitrat mit dem Sickerwasser in den Boden.
Lachgas und Denitrifikation. In verdichteten, nassen Zonen entstehen anaerobe Bereiche, in denen Stickstoff als Gas verloren geht — klimarelevant und nährstoffwirtschaftlich ärgerlich.
Zusammen können diese Pfade einen erheblichen Teil des im Stall anfallenden Stickstoffs kosten. Das ist der Unterschied zwischen einem Dünger, der eine Kultur versorgt, und einem, der nur Struktur bringt.
Mistkompostierung oder Rottemist
Zwei Wege sind im Ökolandbau üblich, und sie verfolgen unterschiedliche Ziele.
Rottemist wird kurz gelagert, kaum gewendet und relativ früh ausgebracht. Er behält mehr pflanzenverfügbaren Stickstoff und wirkt schneller. Geeignet, wenn eine Kultur zeitnah Nährstoff braucht.
Kompostierter Mist wird gemischt, mehrfach gewendet, durchläuft eine Heißphase und reift mehrere Monate. Er verliert unterwegs Stickstoff, gewinnt aber Stabilität: weniger Geruch, keine keimfähigen Beikrautsamen, abgetötete Krankheitserreger, hoher Humusaufbaueffekt und gute Handhabbarkeit. Für Gemüsebau und für den Einsatz auf Flächen mit Beikrautproblem ist das die bessere Wahl.
Die Entscheidung ist damit keine Frage von richtig oder falsch, sondern von Zielsetzung: schnelle Nährstoffwirkung oder Bodenaufbau und Hygiene.
Was die Rotte braucht
Vier Größen steuern den Prozess. Das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff — zu viel Stroh bremst, zu wenig führt zu Ammoniakverlusten. Feuchte im Bereich einer ausgedrückten Schwammkonsistenz. Sauerstoff, also lockere Schüttung und Wenden nach Bedarf statt nach Kalender. Und Temperatur: Eine Heißphase über mehrere Tage ist erforderlich, um Samen und Erreger zu inaktivieren.
Praktisch heißt das: Miete auf befestigter Sohle mit Sickersaftfassung, Höhe begrenzt, mit Vlies oder Kompostabdeckung geschützt, Temperatur mit einer Sonde kontrolliert. Wer diese vier Dinge einhält, hat nach wenigen Monaten ein streufähiges, geruchsarmes Material.
Ausbringen mit Verstand
Die beste Kompostierung verliert ihren Wert bei falschem Ausbringtermin. Regeln, die überall gelten: nicht auf gefrorenen, wassergesättigten oder schneebedeckten Boden, nicht bei hoher Temperatur und Wind, möglichst kurz vor der Einarbeitung. Bei Flüssigmist zählt zusätzlich die bodennahe Ausbringung; Prallteller auf warmem Boden ist der teuerste Fehler des Jahres.
Rechtlich sind Sperrfristen, Aufzeichnungspflichten und Obergrenzen zu beachten — und im Ökobetrieb zusätzlich die Flächenbindung von 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr aus Wirtschaftsdünger.
Zukauf und Kooperation
Viehlose Betriebe kaufen Wirtschaftsdünger oder Kompost zu. Dabei zählt die Herkunft: Zulässige Quellen sind in den Vorschriften definiert, Material aus konventioneller Tierhaltung ist unter Bedingungen und mengenmäßig begrenzt einsetzbar, Herkünfte aus industrieller Tierhaltung sind ausgeschlossen. Belege gehören zur Kontrolle.
In der Praxis ist die Kooperation mit einem viehhaltenden Ökobetrieb — Futter gegen Mist — die stabilere Lösung als der Zukauf am Markt. Sie sichert Qualität, Verfügbarkeit und Nachweis in einem.