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Technik

Wärmepumpe auf der Hofstelle: Was der Altbau vorgibt

Nicht die Technik entscheidet über den Erfolg, sondern die Heizlast des Gebäudes und die Temperatur, mit der es bisher gefahren wurde.

Redaktion Öko-Anbau3 Min. Lesezeit

Rapsfeld mit Windrädern und Datenvisualisierung

Betriebsleiterhaus, Altenteil, Büro, Sozialraum: Auf vielen Ökobetrieben hängt die Wärmeversorgung noch an Öl. Eine Wärmepumpe ist möglich, aber sie stellt Fragen, die vor dem Angebot beantwortet gehören.

Auf einer typischen Hofstelle stehen mehrere Gebäude mit sehr unterschiedlichem Wärmebedarf nebeneinander: das Wohnhaus aus den Fünfzigern, das ausgebaute Altenteil, ein Büro im ehemaligen Stallteil, dazu Sozialraum und Werkstatt. Geheizt wird das oft aus einem gemeinsamen Kessel, meist Öl, häufig deutlich überdimensioniert. Wenn dieser Kessel ansteht, kommt die Frage nach der Wärmepumpe — und mit ihr eine Menge Halbwissen.

Die Heizlast ist die eigentliche Auskunft

Der wichtigste Wert steht nicht auf dem Kessel, sondern im Verbrauch. Wer weiß, wie viele Liter Heizöl pro Jahr in welches Gebäude gegangen sind, kann daraus die tatsächliche Heizlast abschätzen — und stellt regelmäßig fest, dass der vorhandene Kessel doppelt so groß ist wie nötig. Eine Wärmepumpe, die auf die Kesselleistung ausgelegt wird statt auf den realen Bedarf, wird teuer und läuft im Takt.

Die zweite Kennzahl ist die Vorlauftemperatur. Wurde das Haus bisher mit 70 Grad gefahren, heißt das nicht automatisch, dass es 70 Grad braucht. Ein Test an einem kalten Tag — Vorlauf schrittweise absenken, Räume beobachten — liefert die belastbarere Zahl als jede Faustformel.

Alte Gebäude sind nicht per se ungeeignet

Die verbreitete Aussage, im Altbau funktioniere das nicht, hält der Praxis nicht stand. Entscheidend ist, ob die Heizflächen groß genug sind, um mit 50 bis 55 Grad auszukommen. Häufig reicht der Tausch weniger Heizkörper in den kritischen Räumen, dazu ein hydraulischer Abgleich. Was dabei technisch zusammenkommt, ist in einer Einordnung zur Wärmepumpe im Altbau ausführlich beschrieben.

Für Hofstellen kommt eine Besonderheit hinzu: Die Gebäudehülle ist oft in Teilen gut, in Teilen gar nicht gedämmt. Ein Wohnhaus mit neuen Fenstern und ungedämmter Kellerdecke verliert Wärme an Stellen, die sich mit überschaubarem Aufwand schließen lassen. Diese Arbeiten vor dem Heizungstausch zu erledigen, verkleinert die Anlage und damit die Investition.

Der Platz ist da, die Nebenkosten auch

Was auf dem Hof im Vergleich zum Reihenhaus deutlich einfacher ist: der Aufstellort. Abstand zum Nachbarn, Fundament, Kondensatableitung, Schallschutz — Fragen, die im Siedlungsgebiet Projekte scheitern lassen, sind hier meist trivial lösbar. Auch Erdwärme ist bei vorhandener Fläche eine reale Option, sofern die Wasserschutzgebietslage es zulässt.

Umgekehrt fällt anderes stärker ins Gewicht: die Länge der Leitungswege zwischen den Gebäuden. Wer drei Gebäude über eine Zentrale versorgt, verliert im Erdreich Wärme, und zwar ganzjährig. Bei größeren Abständen ist eine dezentrale Lösung — je Gebäude eine kleine Anlage — oft die bessere Rechnung als ein Nahwärmenetz über den Hof.

Strom, den man ohnehin hat

Der Betriebsstrom ist auf vielen Höfen bereits ein eigener Posten mit Photovoltaik auf dem Stalldach. Eine Wärmepumpe verschiebt Verbrauch in eine Form, die sich steuern lässt: Sie kann Wärme vorziehen, wenn die Anlage einspeist, und in der Dunkelheit auf den Speicher zurückgreifen. Das ersetzt keine Wirtschaftlichkeitsrechnung, verändert sie aber spürbar.

Was vor dem ersten Angebot geklärt sein sollte

Drei Punkte: der reale Verbrauch der letzten drei Jahre je Gebäude, die tatsächlich nötige Vorlauftemperatur, und die Frage, welcher Gebäudeteil steuerlich zum Wohnhaus und welcher zum Betrieb gehört. Der letzte Punkt entscheidet über Förderfähigkeit und Vorsteuerabzug — und wird regelmäßig erst nach der Auftragsvergabe gestellt.

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