Zum Inhalt springen
Technik

Strom aus dem Auto: Was Vehicle-to-Load fuer Garten, Marktstand und Camping taugt

Elektroautos als mobile Steckdose – Leistung, Einsatzgrenzen und sinnvolle Anwendungen im Grünen

Redaktion Öko-Anbau3 Min.

Luftaufnahme einer Straße durch dichten Wald

Viele Elektroautos können inzwischen Strom abgeben. Für Schrebergarten, Wochenmarkt oder Zeltplatz eröffnet das neue Möglichkeiten – wenn man die Grenzen kennt.

Die Heckenschere im Schrebergarten ohne Stromanschluss, die Kühltheke am Marktstand, die Kaffeemaschine auf dem Zeltplatz: Bisher brauchte es dafür ein Verlängerungskabel, einen Akku oder ein knatterndes Stromaggregat. Immer mehr Elektroautos bieten eine Alternative. Mit Vehicle-to-Load, kurz V2L, wird das Auto zur mobilen Steckdose.

So funktioniert es

Beim bidirektionalen Laden fließt Strom nicht nur in die Fahrzeugbatterie, sondern auch wieder heraus. Vehicle-to-Load ist die einfachste Form davon: Über eine Steckdose im Fahrzeug oder einen Adapter am Ladeanschluss lassen sich gewöhnliche 230-Volt-Geräte betreiben. Komplexere Varianten speisen Strom ins Hausnetz (Vehicle-to-Home) oder ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid); dafür braucht es spezielle Wallboxen und Absprachen mit dem Netzbetreiber.

Die Leistung ist bei V2L begrenzt, reicht aber für viele Zwecke. Der Audi Q4 e-tron etwa gibt über die Ladebuchse bis zu 2,3 kW ab, über eine Camping-Steckdose bis zu 3,6 kW. Das genügt für Werkzeuge, Kühlboxen, eine Pumpe oder eine Kaffeemaschine. Ein Elektrogrill mit hoher Leistung oder mehrere Großverbraucher gleichzeitig stoßen dagegen an die Grenze. Details zu Batterie und Ausstattung nennt die Modellseite zum Audi Q4 e-tron.

Anwendungen im Grünen

Im Kleingarten ohne Stromanschluss ersetzt V2L den Benzinrasenmäher nicht, aber es lädt Akkus für Rasenmäher, Heckenschere und Laubbläser direkt vor Ort. Wer mehrere Akkugeräte im Einsatz hat, kann so einen ganzen Gartentag bestreiten, ohne nach Hause zu fahren.

Für Direktvermarkter auf dem Wochenmarkt ist die Kühlung interessant. Eine elektrische Kühltheke oder Kühlbox zieht im Dauerbetrieb meist wenige hundert Watt. Über einen Markttag summiert sich das auf einige Kilowattstunden – bei einer Fahrzeugbatterie mit 60 bis 80 Kilowattstunden ein überschaubarer Anteil. Wichtig ist, vorab mit der Marktverwaltung zu klären, ob der Betrieb aus dem Fahrzeug erlaubt ist, und Kabel so zu verlegen, dass niemand stolpert.

Beim Camping ersetzt das Auto den Stromanschluss am Stellplatz. Licht, Laptop, Kühlbox und Wasserkocher lassen sich problemlos betreiben, ohne Lärm und Abgase eines Aggregats. Gerade auf naturnahen Plätzen ohne Infrastruktur ist das ein Gewinn.

Was man beachten sollte

Jeder Kilometer, der als Strom aus der Batterie fließt, fehlt beim Fahren. Die meisten Fahrzeuge erlauben deshalb, eine Untergrenze für den Ladestand festzulegen, unter die V2L nicht entlädt. Diese Grenze sollte so gesetzt sein, dass die Heimfahrt plus Puffer sicher bleibt.

Außerdem gilt: Nur Geräte anschließen, die für den Außeneinsatz geeignet sind, und Verlängerungskabel mit ausreichendem Querschnitt verwenden. Bei Regen gehören Steckverbindungen geschützt. Für den gewerblichen Einsatz am Marktstand sollte eine Elektrofachkraft die Anordnung einmal prüfen.

Ökologisch sinnvoll?

Ein Stromaggregat verbrennt Benzin, ist laut und stößt Abgase aus. Ein Elektroauto, das mit Strom aus erneuerbaren Quellen geladen wurde, liefert dieselbe Energie lokal emissionsfrei und leise. Besonders stimmig wird es, wenn das Fahrzeug zuvor mit Solarstrom vom eigenen Dach geladen wurde. Wer noch überlegt, ob ein reines Elektroauto oder ein Plug-in-Hybrid besser zum eigenen Alltag passt, findet eine Entscheidungshilfe im Ratgeber e-tron oder e-hybrid.

Vehicle-to-Load ist kein Ersatz für eine feste Stromversorgung, aber eine praktische Ergänzung. Für alle, die viel draußen arbeiten oder unterwegs sind, macht es das Elektroauto zu einem vielseitigeren Werkzeug.

TeilenPer E-Mail

Mehr zum Thema

Newsletter

Einmal pro Woche das Wesentliche

Markt, Politik und Praxis kompakt zusammengefasst. Kein Werbeverteiler, jederzeit abbestellbar.