Knappheit von Biosaatgut gefährdet Ökolandbau in Deutschland
Mangel an ökologisch gezüchtetem Saatgut gefährdet die Zukunft
Redaktion Öko-Anbau7 Min.

Der Ökolandbau in Deutschland kämpft mit einem Mangel an Biosaatgut, während die Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln steigt. Aktuell stammen nur 1 bis 5 Prozent der Sorten aus ökologischer Züchtung. Um den EU-Vorgaben bis 2037 gerecht zu werden, muss die Produktion von Biosaatgut drastisch steigen, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.
Der wachsende Ökolandbau in Deutschland steht vor einer ernsthaften Herausforderung: der Mangel an Biosaatgut. Während die Nachfrage nach biologisch erzeugten Lebensmitteln steigt, hinkt die Verfügbarkeit von ökologisch gezüchtetem Saatgut hinterher. Aktuell stammen europaweit etwa 50 Prozent des Saatguts aus ökologischer Vermehrung, aber nur 1 bis 5 Prozent der Sorten sind ökologisch gezüchtet. Dies führt dazu, dass viele Betriebe nach wie vor auf konventionelles, unbehandeltes Saatgut zurückgreifen müssen – eine Praxis, die sich bis zur vollständigen Umsetzung der EU-Vorgaben, die ab 2037 ausschließlich ökologisches Saatgut fordern, nicht mehr lange aufrechterhalten lassen wird.
Die EU-Öko-Verordnung sieht vor, dass der Einsatz von konventionellem Saatgut bis Ende 2036 schrittweise zurückgefahren wird. Bis dahin müssen Erzeuger und Händler dringend handeln und die Entwicklung von Biosaatgut vorantreiben, um eine Abhängigkeit von Importen zu vermeiden. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müsste die Produktion in der Züchtung um 500 bis 600 Prozent steigen. Andernfalls drohen erhebliche Versorgungsengpässe, die nicht nur die Erzeuger, sondern auch die Verbraucher betreffen werden.
Wachstum des Ökolandbaus und Saatgutknappheit
Der Ökolandbau in Deutschland verzeichnet ein starkes Wachstum, das in den letzten 15 bis 20 Jahren zu einer signifikanten Steigerung der Flächen und Betriebe geführt hat. Doch während die Nachfrage nach biologischen Produkten steil ansteigt, bleibt die Verfügbarkeit von Biosaatgut hinter diesen Entwicklungen zurück. Aktuell stammen in Europa etwa 50 Prozent des Saatguts aus ökologischer Vermehrung, während über 90 Prozent der verfügbaren Sorten aus konventioneller Züchtung stammen. Dies verdeutlicht die gravierende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.
Ein zentrales Problem ist der Zeitbedarf für die Züchtung neuer Sorten. Um den EU-Vorgaben gerecht zu werden, die ab 2037 ausschließlich ökologisch erzeugtes Saatgut vorschreiben, müsste die Produktion in der Züchtung um 500 bis 600 Prozent steigen. Der Druck auf den Saatgut- und Züchtungssektor wächst, insbesondere durch die Deregulierung der Neuen Genomischen Techniken (NGT).
Derzeit sind einige Kulturen wie Kartoffeln, Winterroggen und Zuckerrüben bereits verpflichtet, auf ökologisches Saatgut zurückzugreifen, da ausreichend Verfügbarkeit besteht. Im Gemüsebau hingegen ist die Lage kritischer, da hier die Liste der Kulturen, die auf Biosaatgut angewiesen sind, deutlich kürzer ist. Die anhaltende Nutzung von konventionellem Saatgut, auch wenn es durch die Öko-Wertprüfung zertifiziert ist, zeigt, dass die Branche dringend handeln muss, um zukünftige Versorgungsengpässe zu vermeiden und die Unabhängigkeit von Biogemüse-Importen zu sichern.
Züchtung und Verfügbarkeit von Biosaatgut
Die Verfügbarkeit von Biosaatgut in Deutschland ist ein zentrales Thema für die Zukunft des Ökolandbaus. Aktuell stammt in Europa nur etwa die Hälfte des Saatguts aus ökologischer Vermehrung, während über 90 Prozent der verfügbaren Sorten aus konventioneller Züchtung kommen. Dies stellt eine erhebliche Abhängigkeit dar, insbesondere in Anbetracht der EU-Vorgaben, die ab 2037 ausschließlich ökologisch erzeugtes Saat- und Pflanzgut vorschreiben. Um diese Vorgaben zu erfüllen, müsste die Produktion in der Züchtung um 500 bis 600 Prozent steigen, was eine immense Herausforderung darstellt.
Die Züchtung von neuen Sorten ist ein zeitintensiver Prozess. Bis eine neue, ökologisch gezüchtete Sorte marktreif ist, vergehen oft zehn Jahre oder mehr. Aktuell liegt der Anteil ökologisch gezüchteter Sorten in den meisten Kulturen bei lediglich 1 bis 5 Prozent. Im Gemüsebau kommen rund 95 Prozent der verwendeten Sorten als Hybridsorten aus konventioneller Züchtung zum Einsatz. Die Abhängigkeit von konventionellem Saatgut ist somit nicht nur eine praktische Notwendigkeit, sondern auch ein strategisches Risiko.
Das bestehende Regulierungsframework ermöglicht es Biobetrieben, unter bestimmten Umständen konventionelles, unbehandeltes Saatgut zu verwenden. Die nationalen Datenbanken wie Organic-X-Seeds spielen eine entscheidende Rolle, um die Verfügbarkeit von Biosaatgut zu überwachen und zu verbessern. Einige Kulturen wie Kartoffeln, Winterroggen und Sojabohnen haben bereits ausreichendes ökologisches Saatgut, während im Gemüsebau die Situation deutlich angespannter ist. Der Handlungsbedarf ist klar: Ohne verstärkte Investitionen in die Züchtung und Vermehrung von Biosaatgut wird die Unabhängigkeit des Ökolandbaus gefährdet sein.
EU-Vorgaben und Fristen zur Biosaatgutverwendung
Die EU-Öko-Verordnung spielt eine entscheidende Rolle für die Biosaatgutverwendung im Ökolandbau. Ab 2037 ist der Einsatz von ausschließlich ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut verpflichtend, was für viele Betriebe einen erheblichen Umstellungsdruck bedeutet. Bis zu diesem Datum müssen die verfügbaren Mengen an Biosaatgut deutlich erhöht werden. Nach Schätzungen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) muss die Produktion von Biosaatgut um 500 bis 600 Prozent gesteigert werden, um die Anforderungen zu erfüllen.
Aktuell ist die Situation angespannt: Etwa 50 Prozent des in Europa verwendeten Saatguts stammt aus ökologischer Vermehrung, bei den verfügbaren Sorten sind es jedoch über 90 Prozent konventionell gezüchtete Sorten. Dies stellt eine kritische Abhängigkeit dar, da viele Betriebe, um ihre Erträge aufrechtzuerhalten, weiterhin auf konventionelles, unbehandeltes Saatgut zurückgreifen müssen. Es gibt einen schrittweisen Ausstieg aus den Ausnahmegenehmigungen bis Ende 2036, der für Biobetriebe bedeutet, dass sie nur in bestimmten Fällen konventionelles Saatgut verwenden dürfen.
Die nationale Datenbank Organic-X-Seeds, die vom Fibl betreut wird, bietet Transparenz über die Verfügbarkeit von Biosaatgut und unterteilt die Kulturen in drei Genehmigungskategorien. Einige Kulturen, wie Kartoffeln und Winterroggen, sind bereits ausreichend verfügbar und verpflichtend, während im Gemüsebau die Situation komplexer ist und oft nicht ausreichend Biosaatgut vorhanden ist. Die kommenden Jahre sind somit entscheidend, um die Weichen für eine nachhaltige und eigenständige Versorgung im Ökolandbau zu stellen.
Handlungsempfehlungen für Erzeuger und Händler
Um die Verfügbarkeit von Biosaatgut im Ökolandbau zu sichern, sollten Erzeuger und Händler mehrere strategische Maßnahmen in Betracht ziehen. Zunächst ist es entscheidend, langfristige Partnerschaften mit spezialisierten Züchtungsunternehmen einzugehen, die sich auf die Entwicklung und Vermehrung von ökologischen Sorten konzentrieren. Dies könnte durch Verträge geschehen, die eine kontinuierliche Lieferung von Biosaatgut garantieren und den Züchtern die nötige Planungssicherheit bieten.
Zusätzlich sollten Betriebe auf die Diversifizierung ihrer Sorten setzen. Durch den Anbau verschiedener Kulturen und Sorten können Risiken minimiert und die Abhängigkeit von einzelnen Saatgutlieferanten verringert werden. So könnte beispielsweise der Gemüseanbau neben traditionellen Sorten auch zunehmend auf robuste, weniger bekannte Sorten zurückgreifen, die gut an ökologische Anbaubedingungen angepasst sind.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Beteiligung an regionalen Saatgutinitiativen, die darauf abzielen, die lokale Vermehrung von Biosaatgut zu fördern. Solche Initiativen könnten auch Schulungen und Workshops anbieten, um das Wissen über die Züchtung und den Anbau von ökologischen Sorten zu verbreiten.
Zudem sollten Erzeuger die nationale Datenbank Organic-X-Seeds intensiv nutzen, um sich über die Verfügbarkeit von Biosaatgut zu informieren und gegebenenfalls rechtzeitig auf alternative Sorten auszuweichen. Es ist wichtig, die Fristen und Vorgaben der EU-Öko-Verordnung im Blick zu behalten, um rechtzeitig auf die verpflichtende Verwendung von ökologischem Saatgut ab 2037 vorbereitet zu sein. Ein proaktives Handeln ist unerlässlich, um Engpässen vorzubeugen und die Zukunft des Ökolandbaus in Deutschland zu sichern.
Häufige Fragen
Warum ist Biosaatgut im Ökolandbau so wichtig?
Biosaatgut ist entscheidend für den Ökolandbau, da es die Grundlage für die Erzeugung von Lebensmitteln unter ökologischen Standards bildet. Es gewährleistet die Einhaltung der EU-Öko-Verordnung, die ab 2037 ausschließlich ökologisch erzeugtes Saatgut vorschreibt. Zudem ermöglicht die Verwendung von Biosaatgut eine Anpassung an lokale Bedingungen und trägt zur Erhaltung der Biodiversität bei.
Welche Sorten sind bereits verpflichtend ökologisch?
Aktuell sind für bestimmte Kulturen bereits verpflichtend ökologisch erzeugtes Saat- und Pflanzgut verfügbar, darunter Kartoffeln, Winterroggen, Blaue Lupine, Sojabohnen, Buchweizen, Zuckerrüben und Sommerhafer. Diese Sorten haben die Genehmigungskategorie 1 erreicht, was bedeutet, dass Biobetriebe keine Ausnahmegenehmigungen mehr beantragen können.
Wie können Betriebe auf die Knappheit von Biosaatgut reagieren?
Betriebe können auf die Knappheit von Biosaatgut reagieren, indem sie frühzeitig langfristige Verträge mit Saatgutproduzenten eingehen und sich aktiv an der Züchtung und Vermehrung von Biosaatgut beteiligen. Zudem sollten Landwirte die Nutzung von konventionellem, unbehandeltem Saatgut in Erwägung ziehen, falls es in ausreichender Menge nicht genügend Biosaatgut gibt, um ihre Produktion aufrechtzuerhalten, bis die Verfügbarkeit steigt.