Agroforst und Ökolandbau: Strategien gegen Klimakrisen 2026
Resiliente Anbausysteme und ökologischer Landbau im Fokus
Redaktion Öko-Anbau8 Min.

Die Klimakrise bedroht die Landwirtschaft durch extreme Wetterereignisse, die zu Ernteausfällen führen. Agroforstsysteme und ökologischer Landbau gewinnen an Bedeutung. Die Bundesregierung plant eine Umstellung auf Ökolandbau bis 2030, um die Widerstandsfähigkeit der Betriebe zu erhöhen.
Die Klimakrise stellt eine ernste Bedrohung für die Landwirtschaft dar und zwingt Landwirte, sich verstärkt mit resilienten Anbausystemen auseinanderzusetzen. Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürre und Starkregen führen in vielen Regionen Deutschlands zu erheblichen Ernteausfällen und gefährden die Ernährungssicherheit. In diesem Kontext gewinnen Agroforstsysteme und der ökologische Landbau an Bedeutung, da sie nicht nur die Bodenfruchtbarkeit fördern, sondern auch das Mikroklima verbessern und Wasser speichern.
Die Bundesregierung hat erkannt, dass eine nachhaltige Landwirtschaft notwendig ist und setzt auf Maßnahmen wie die rechtssichere Etablierung von Agroforstsystemen. Diese Systeme kombinieren Bäume mit landwirtschaftlichen Kulturen, was den Boden schützt und die Erträge steigert. Gleichzeitig wird angestrebt, bis 2030 30 Prozent der Betriebe auf Ökolandbau umzustellen, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Herausforderungen der Klimakrise zu erhöhen.
Klimakrise als Bedrohung für die Landwirtschaft
Die Klimakrise stellt eine erhebliche Bedrohung für die Landwirtschaft dar, die zunehmend unter extremen Wetterereignissen leidet. Dürreperioden und Hitze, wie sie in den Jahren 2018, 2022 und 2026 verzeichnet wurden, führen zu signifikanten Ernteausfällen und verringerten Erträgen, insbesondere im Süden und Westen Deutschlands. Die aktuellen klimatischen Bedingungen erfordern eine sofortige Anpassung der landwirtschaftlichen Praktiken, da sich Extremwetterereignisse wie Starkregen und Sturzfluten verstärkt zeigen.
Die Bundesregierung bietet zwar kurzfristige Liquiditätshilfen an, jedoch sind diese Maßnahmen nicht nachhaltig und tragen nicht zur langfristigen Resilienz der Betriebe bei. Ein Prüfbericht des Expert*innenrates für Klimafragen stellt fest, dass die aktuellen Klimaschutzmaßnahmen der Regierung nicht ausreichen, um die gesetzlich festgelegten Klimaziele zu erreichen, insbesondere im Bereich der Landnutzung. Stattdessen werden Haushaltskürzungen bei Förderprogrammen für den Ökolandbau und den Umbau der Tierhaltung vorgenommen, was die Lage weiter verschärft.
Die Rolle des Bodens ist entscheidend für die Anpassung an die Klimakrise. Gesunde Böden, die durch Humusaufbau gefördert werden, können bis zu das Fünffache ihres Gewichts an Wasser speichern. Dies ist besonders wichtig, um langfristig ertragreiche Ernten zu sichern. Eine artenreiche, ökologische Landwirtschaft ist daher nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit, sondern auch eine notwendige Strategie zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft. Die Herausforderungen sind groß, und die Zeit drängt, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die über kurzfristige Hilfen hinausgehen.
Agroforst als wirksame Anpassungsstrategie
Agroforstsysteme zeigen sich als eine vielversprechende Anpassungsstrategie an die Herausforderungen der Klimakrise. Durch die Kombination von Bäumen und landwirtschaftlichen Kulturen bieten sie gleich mehrere Vorteile: Die Bäume spenden Schatten, was die Verdunstung des Bodens signifikant reduziert und somit dessen Austrocknung in heißen und trockenen Perioden vorbeugt. Diese Schattenbildung führt nicht nur zu einem verbesserten Mikroklima, sondern stabilisiert auch die Temperatur der Pflanzen und des Bodens.
Darüber hinaus fördern Agroforstsysteme die Biodiversität. Durch die Schaffung vielfältiger Lebensräume profitieren nicht nur die Pflanzen, sondern auch verschiedene Tierarten, die in diesen Systemen ein Zuhause finden. Diese Biodiversität ist entscheidend, um die Resilienz des Anbaus zu erhöhen und den Druck von Schädlingen und Krankheiten zu verringern.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Schutz der Böden vor Erosion. Die Wurzeln der Bäume stabilisieren den Boden, wodurch die fruchtbare Erde weniger anfällig für Abtragungen durch Wind und Wasser ist. Dies trägt nicht nur zur langfristigen Fruchtbarkeit der Flächen bei, sondern hilft auch, die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu verbessern.
Die rechtliche Anerkennung von Agroforstsystemen seit Januar 2023 stellt einen wichtigen Schritt dar, um Landwirt*innen den Übergang zu dieser nachhaltigen Anbaustrategie zu erleichtern. In Kombination mit gezielten Förderungen könnte Agroforst dazu beitragen, die landwirtschaftliche Produktion in Zeiten extremer Wetterbedingungen langfristig abzusichern und somit einen wertvollen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten.
Ökolandbau: Widerstandsfähigkeit durch Humusaufbau
Ökolandbau ist ein entscheidender Ansatz, um die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegen die Auswirkungen der Klimakrise zu erhöhen. Ein zentrales Element dabei ist der Humusaufbau, der in ökologischen Systemen durch die Praxis der Fruchtfolge und den Einsatz von organischen Düngemitteln gefördert wird. Humus verbessert die Bodenstruktur, was zu einer höheren Wasserspeicherfähigkeit führt. Studien zeigen, dass gut durchlüftete Böden mit einem hohen Humusgehalt bis zu das Fünffache ihres Gewichts an Wasser speichern können. Dies ist besonders relevant in Zeiten extremer Wetterbedingungen, da eine verbesserte Speicherung von Wasser nicht nur die Pflanzen in Trockenperioden versorgt, sondern auch das Risiko von Erosion durch Starkregen verringert.
Ein weiterer Vorteil des Ökolandbaus ist die Förderung der Biodiversität. Durch den Anbau von vielfältigen Kulturen und das Vermeiden synthetischer Pestizide und Düngemittel wird ein vitales Ökosystem unterstützt, das Schädlinge auf natürliche Weise reguliert und die Bodengesundheit langfristig sichert. Die Erhöhung der Artenvielfalt auf den Feldern trägt dazu bei, dass die Landwirtschaft stabiler gegenüber Schädlingen und Krankheiten wird, die in einem sich verändernden Klima zunehmen könnten.
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 30 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe auf ökologischen Anbau umzustellen. Dies könnte nicht nur den Humusaufbau fördern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Klimaanpassung leisten, indem die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen der Klimakrise wird.
Politische Rahmenbedingungen und Förderungen
Die politischen Rahmenbedingungen und Förderungen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Ökolandbaus in Deutschland. Trotz der offensichtlichen Bedrohungen durch die Klimakrise, wie Dürre und Starkregen, setzt die Bundesregierung vor allem auf kurzfristige Liquiditätshilfen. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht zukunftsorientiert und fördern nicht die dringend benötigte Anpassung der Landwirtschaft an die Klimaveränderungen. Im aktuellen Haushalt für 2027 wurden die Mittel für den Ökolandbau erneut um ein Drittel gekürzt, was die bereits schwierige Situation der Betriebe verschärft.
In der letzten Legislaturperiode wurde zwar eine rechtssichere Grundlage für Agroforstsysteme geschaffen und deren Förderung vorangetrieben, jedoch bleibt die finanzielle Unterstützung für den Ökolandbau hinter den Möglichkeiten zurück. Während die Regierung trotz der Warnungen des Expert*innenrates für Klimafragen ihre Klimaziele im Landnutzungssektor verfehlt, sind fruchtbare Böden und die Fähigkeit, Wasser zu speichern, von entscheidender Bedeutung für die Ernteerträge.
Die Zielsetzung, bis 2030 30 Prozent der Betriebe auf ökologischen Anbau umzustellen, könnte mit einer verstärkten politischen Förderung und Unterstützung für innovative Anbausysteme wie Agroforst erreicht werden. Diese Systeme bieten nicht nur Vorteile für die Anpassung an klimatische Veränderungen, sondern tragen auch zur Erhöhung der Biodiversität und zur Verbesserung der Bodengesundheit bei. Um die Herausforderungen der Klimakrise langfristig zu bewältigen, ist es unerlässlich, dass die Politik die notwendigen finanziellen Ressourcen bereitstellt und die Rahmenbedingungen für den Ökolandbau verbessert.
Praktische Umsetzung von Agroforstsystemen
Um Agroforstsysteme erfolgreich in den ökologischen Landbau zu integrieren, sollten Landwirte mehrere konkrete Maßnahmen ergreifen. Zunächst ist die Auswahl geeigneter Baumarten entscheidend. Häufig empfohlene Sorten sind z. B. Weiden, Pappeln oder Obstbäume, die sich gut mit Ackerfrüchten kombinieren lassen. Diese Bäume sollten in Reihen oder Streifen gepflanzt werden, wobei der Abstand zwischen den Bäumen und den Anbauflächen idealerweise 5 bis 10 Meter betragen sollte, um die Konkurrenz um Licht und Nährstoffe zu minimieren.
Ein wesentlicher Schritt ist die Planung der Anordnung der Bäume in Abhängigkeit von den spezifischen klimatischen und bodenlichen Bedingungen des Betriebs. Die Bäume sollten strategisch platziert werden, um Schatten auf empfindliche Kulturen zu spenden. Dies reduziert die Verdunstung und schützt den Boden vor Austrocknung, besonders in heißen Sommern.
Zusätzlich ist es ratsam, verschiedene Pflanzenarten zu kombinieren, um die Biodiversität zu fördern. Mischkulturen aus Feldfrüchten, wie z. B. Weizen oder Erbsen, und Baumarten maximieren die Ressourcennutzung und verbessern das Mikroklima. Ein weiterer Vorteil ist die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, da die Wurzeln der Bäume Nährstoffe tief aus dem Boden aufnehmen und durch den Fall von Blättern und Zweigen organische Substanz zurückgeben.
Die Umstellung auf Agroforst erfordert Zeit und Geduld. Landwirte sollten mit kleinen Flächen beginnen, um Erfahrungen zu sammeln und die Anpassung der Anbautechniken zu beobachten. Förderprogramme und Beratungsangebote, beispielsweise von den Landwirtschaftskammern, können hierbei unterstützen. Langfristig ist die Zielsetzung, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Betriebe ökologisch zu bewirtschaften, was durch den Ausbau von Agroforstsystemen maßgeblich unterstützt werden kann.
Häufige Fragen
Was sind Agroforstsysteme und wie funktionieren sie?
Agroforstsysteme kombinieren landwirtschaftliche Flächen mit Baumkulturen. Bäume spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und reduzieren die Verdunstung von Wasser, was besonders in Zeiten von Dürre von Vorteil ist. Zudem bieten diese Systeme Lebensräume für verschiedene Tierarten und schützen den Boden vor Erosion, indem sie die fruchtbare Erde vor Wind und Wasser abschirmen.
Wie kann Ökolandbau die Widerstandsfähigkeit gegen Klimawandel erhöhen?
Ökolandbau fördert den Humusaufbau im Boden, was dessen Wasserhaltevermögen signifikant erhöht. Humus kann bis zu fünfmal sein eigenes Gewicht an Wasser speichern, was gerade in trockenen Sommern entscheidend ist. Durch den Anbau vielfältiger Pflanzen und eine nachhaltige Tierhaltung werden Böden gesund gehalten, was die Erträge auch unter extremen Wetterbedingungen stabilisieren kann.
Welche politischen Maßnahmen sind notwendig, um den Ökolandbau zu fördern?
Um den Ökolandbau zu fördern, sind gezielte finanzielle Mittel und Programme unerlässlich. Die Bundesregierung sollte die Kürzungen bei den Fördermitteln für den Ökolandbau zurücknehmen und stattdessen Anreize für den Umstieg auf ökologischen Anbau schaffen. Ein Ziel von 30 Prozent ökologisch wirtschaftenden Betrieben bis 2030 erfordert eine klare politische Strategie, die nachhaltige Landwirtschaft langfristig unterstützt, statt kurzfristige Liquiditätshilfen zu priorisieren.