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Technik

PV-Strom selbst verbrauchen: Warum die Last wichtiger ist als das Dach

Die Anlage auf dem Stalldach ist schnell gebaut. Der Ertrag entscheidet sich daran, welcher Verbrauch sich in die Mittagsstunden schieben lässt.

Redaktion Öko-Anbau2 Min. Lesezeit

Rapsfeld mit Windrädern und Datenvisualisierung

Bei heutigen Einspeisevergütungen liegt der Wert einer selbst verbrauchten Kilowattstunde deutlich über dem der eingespeisten. Auf landwirtschaftlichen Betrieben gibt es dafür mehr Spielraum als in Privathaushalten — er wird nur selten systematisch genutzt.

Photovoltaik auf Wirtschaftsgebäuden ist auf vielen Ökobetrieben längst gebaut. Die zweite Frage stellt sich erst danach: Was passiert mit dem Strom? Die Differenz zwischen Einspeisevergütung und Bezugspreis ist der eigentliche Ertragstreiber — und sie lässt sich nur über den Eigenverbrauchsanteil heben.

Wo der Verbrauch auf dem Hof liegt

Landwirtschaftliche Lastprofile unterscheiden sich deutlich vom Haushalt. Milchkühlung läuft nach den Melkzeiten, also morgens und abends. Melkroboter, Lüftung und Entmistung laufen durchgehend. Futtermischwagen, Getreidetrocknung, Kompressoren, Werkstatt und Bewässerungspumpen dagegen sind planbar — und genau diese Posten sind der Hebel.

Ein Betrieb, der seine Getreidetrocknung in die Mittagsstunden legt statt in die Nacht, verschiebt größere Strommengen als jede Optimierung im Wohnhaus. Gleiches gilt für die Bewässerung im Gemüsebau: Pumpen brauchen Leistung, und sie brauchen sie nicht zu einer bestimmten Uhrzeit.

Wärme ist der größte flexible Speicher

Der praktikabelste Weg, Strom zu verschieben, führt über Wärme. Warmwasser für die Melkanlage, Heizung im Betriebsleiterhaus, Frostschutz im Folientunnel: Alles Anwendungen, bei denen ein Speicher die Erzeugung zeitlich vom Bedarf entkoppelt. Eine Wärmepumpe, die sich extern ansteuern lässt, wird damit zur steuerbaren Last, die den Mittagsüberschuss aufnimmt und die Wärme in den Abend trägt.

Technisch läuft das über eine Freigabe vom Wechselrichter oder Energiemanager an die Wärmepumpe. Welche Steuersignale dafür üblich sind und was die Geräte damit tatsächlich anfangen, ist in einer Erläuterung zur PV-Steuerung von Wärmepumpen dargestellt. Wichtig ist die Erwartungshaltung: Die Anlage hebt die Speichertemperatur an, sie liefert keine Wunder.

Batterie: erst rechnen, dann kaufen

Ein Batteriespeicher ist der teuerste Weg, den Eigenverbrauch zu erhöhen, und auf Betrieben mit verschiebbaren Lasten oft nicht der erste. Sinnvoll wird er dort, wo die Grundlast nachts hoch ist — Melkroboter, Kühlung, Lüftung — und wo Netzanschlusskosten oder Einspeisebegrenzungen ohnehin einen Puffer verlangen. Vor der Anschaffung gehört ein gemessenes Lastprofil auf den Tisch, keine Jahresverbrauchszahl.

Netzanschluss und Zähler

Wer Verbrauch verschiebt, verändert Lastspitzen. Bei größeren Anschlüssen mit Leistungsmessung kann eine neue Spitze teurer sein als die eingesparte Arbeit. Vor dem Umstellen von Trocknung oder Bewässerung lohnt der Blick in die Abrechnung: Arbeitspreis und Leistungspreis reagieren gegenläufig auf dasselbe Verhalten.

Ebenfalls zu klären ist die Zählerstruktur zwischen Betrieb, Wohnhaus und eventuell verpachteten Gebäudeteilen. Sauber getrennte Zähler sind die Voraussetzung dafür, dass Eigenverbrauch steuerlich und förderrechtlich korrekt zugeordnet wird.

Der Ertrag steckt in der Betriebsführung

Die wirksamsten Maßnahmen kosten wenig: Zeitschaltung neu setzen, Trocknung umlegen, Speicher vergrößern, Wärmeerzeuger freigeben lassen. Das sind Entscheidungen der Betriebsführung, keine Investitionen. Wer sie ausschöpft, bevor er Speichertechnik kauft, kommt in aller Regel zu einer besseren Rechnung.

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