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Technik

Agri-Photovoltaik: Strom über der Kultur, Ertrag darunter

Doppelnutzung klingt einfach. Entscheidend sind Kulturwahl, Bauform und die Frage, wer den Strom braucht.

Redaktion Öko-Anbau7 Min. Lesezeit

Wald von oben mit eingeblendeten Nachhaltigkeitsdaten

Module über Ackerflächen oder Dauerkulturen können Strom liefern und gleichzeitig Verdunstung senken. Ob sich das rechnet, hängt an der Kultur, dem Netzanschluss und den Auflagen der Förderung.

Agri-Photovoltaik verbindet Stromerzeugung und Landbewirtschaftung auf derselben Fläche. Für Ökobetriebe ist das doppelt interessant: als zweites Einkommen und als Schutz vor Hitze und Starkregen. Der Reiz der Idee überdeckt allerdings, wie viel an der Ausführung hängt.

Zwei Bauformen, zwei Anwendungen

Hochaufgeständerte Anlagen stehen mehrere Meter über dem Boden, sodass Maschinen darunter arbeiten können. Sie passen zu Ackerkulturen, Grünland und Obstbau, kosten in der Unterkonstruktion aber deutlich mehr als eine Freiflächenanlage.

Bodennahe Anlagen mit Reihenabständen lassen breite Fahrgassen zwischen senkrecht oder schräg stehenden Modulreihen. Sie sind günstiger, schränken die Bewirtschaftung aber stärker ein und passen eher zu Grünland und Weidenutzung.

Für die Einordnung solcher Anlagen gibt es technische Regelwerke, die Kategorien und Grenzen für den Flächenverlust beschreiben. Sie sind der Bezugspunkt, wenn es um Förderfähigkeit und um die Frage geht, ob die Fläche landwirtschaftlich anerkannt bleibt.

Was unter den Modulen wächst

Module nehmen Licht — deshalb entscheidet die Kultur. Kulturen mit hohem Lichtbedarf reagieren am stärksten: Bei Getreide sind Ertragsrückgänge unter Teilverschattung die Regel, nicht die Ausnahme. Bei Kulturen, die Hitzestress schlecht vertragen, kann der Effekt umgekehrt positiv sein, weil weniger Verdunstung und mildere Mittagstemperaturen den Wasserhaushalt entlasten.

Besonders belastbar sind die Erfahrungen im Obst- und Beerenbau. Dort ersetzt die Modulreihe teilweise Hagelnetz und Regenschutz, und der Verschattungsverlust wird durch geringere Schäden und stabilere Qualität aufgefangen. Bei Grünland ist die Nutzung meist unproblematisch, solange Mähen oder Beweiden mit der Bauform vereinbar bleibt.

Für Ökobetriebe kommt ein praktischer Punkt hinzu: Die mechanische Beikrautregulierung braucht Platz und Wendemöglichkeiten. Wer mit Striegel und Hackgerät arbeitet, muss Reihenabstand und Stützenraster daran ausrichten — nachträglich ändern lässt sich das nicht.

Die Wirtschaftlichkeit entscheidet der Anschluss

Der Strompreis, der zählt, ist der vermiedene Einkaufspreis. Anlagen rechnen sich am schnellsten, wenn ein hoher Eigenverbrauch dahintersteht: Melkanlage, Kühlung, Lagerbelüftung, Bewässerungspumpen, Aufbereitung, Ladeinfrastruktur. Wer den Strom überwiegend einspeisen muss, rechnet mit Vergütungssätzen und braucht einen belastbaren Netzanschluss — die Anschlusskosten sind bei Freiflächen häufig der Posten, der ein Projekt kippt.

Dazu kommen Genehmigung und Planungsrecht. Agri-PV ist im Außenbereich nicht ohne Weiteres zulässig; je nach Größe und Bauform sind Bauleitplanung, Beteiligung der Kommune und Prüfungen zu Naturschutz und Landschaftsbild erforderlich. Realistisch sind Vorlaufzeiten von mehreren Jahren.

Pacht, Verträge, Rückbau

Wer Fläche für eine Anlage verpachtet statt selbst zu investieren, verliert die Kontrolle über die Bewirtschaftung für die Vertragslaufzeit — üblich sind zwei bis drei Jahrzehnte. Zu klären sind Bewirtschaftungsrechte, Zugang, Haftung bei Schäden an Kultur und Anlage, Reinigung, sowie Rückbau und Sicherheiten dafür. Für Betriebe mit Verbandszertifizierung lohnt zusätzlich die Rückfrage, wie die Fläche im Zertifikat geführt wird.

Wann es passt

Agri-PV ist kein Standardprojekt für jeden Betrieb. Sie passt, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: eine Kultur, die Teilverschattung verträgt oder davon profitiert, ein hoher betrieblicher Eigenverbrauch und ein Netzanschluss in erreichbarer Nähe. Fehlt eine davon, ist die klassische Dachanlage in der Regel die bessere Investition.

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