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Anbau

Zwischenfrüchte: Was die Begrünung zwischen zwei Kulturen wirklich leistet

Stickstoff halten, Boden bedecken, Struktur bauen — und die Fehler, die den Effekt wieder auffressen.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Weinberg mit Rebzeilen an einem Hang

Eine Zwischenfrucht kostet Saatgut, Diesel und ein Zeitfenster. Was sie zurückgibt, hängt an der Aussaatzeit, der Mischung und dem Umgang mit dem Bestand im Winter.

Zwischen Getreideernte und der nächsten Hauptkultur liegt im Ökolandbau ein Zeitfenster, in dem der Boden entweder arbeitet oder verliert. Bleibt die Fläche offen, mineralisiert der Boden weiter, ohne dass eine Wurzel den Stickstoff aufnimmt. Genau dafür stehen Zwischenfrüchte.

Der Nährstoff bleibt auf der Fläche

Nach der Ernte ist der Boden warm und feucht — die Bedingungen, unter denen Mikroorganismen organische Substanz umsetzen und Nitrat freisetzen. Ohne Bestand wandert dieses Nitrat mit dem Winterniederschlag nach unten, außer Reichweite der Folgefrucht. Eine zügig etablierte Zwischenfrucht nimmt es auf und legt es in Biomasse fest, aus der es im Frühjahr wieder freigesetzt wird.

Der Effekt steht und fällt mit dem Aussaattermin. Jeder Tag Verzögerung im August kostet Wuchsleistung, die sich im September nicht mehr aufholen lässt. Praktisch heißt das: Die Zwischenfrucht wird nicht eingeplant, wenn Zeit ist, sondern direkt nach dem Mähdrescher.

Was in die Mischung gehört

Reinsaaten haben ihren Platz, Mischungen sind im Regelfall aber robuster, weil sie unterschiedliche Wurzeltiefen und Wachstumsrhythmen verbinden. Drei Bausteine bestimmen den Charakter:

Leguminosen wie Erbse, Wicke oder Alexandrinerklee bringen Stickstoff aus der Luft ins System. In einer Fruchtfolge, die schon viel Leguminosenanteil hat, sind sie weniger dringend.

Kreuzblütler wie Senf und Ölrettich wachsen schnell, bedecken die Fläche zuverlässig und erschließen den Unterboden. Sie sind aber ein Risiko, wenn Raps in der Fruchtfolge steht — gemeinsame Krankheiten und Nematoden sprechen dann gegen sie.

Gräser und Sonstige — Phacelia, Buchweizen, Ramtillkraut — füllen Lücken, sind frostempfindlich und hinterlassen im Frühjahr eine Mulchschicht, die sich flach einarbeiten lässt.

Die Fruchtfolge entscheidet also mit, was gesät werden darf. Wer Zuckerrüben anbaut, achtet auf nematodenresistente Ölrettichsorten; wer viel Raps hat, nimmt Kreuzblütler heraus.

Abfrieren oder überwintern

Frostempfindliche Arten sterben im Winter ab und hinterlassen eine Mulchdecke — bequem für die Frühjahrsbestellung, weil kein Umbruch nötig ist. Winterharte Bestände halten den Boden länger bedeckt und nehmen bis ins Frühjahr Nährstoffe auf, müssen dann aber mechanisch beendet werden. Im Ökolandbau geschieht das über Walzen, flaches Grubbern oder Pflug, und jeder dieser Eingriffe kostet Wasser und Struktur.

Die häufigste Enttäuschung entsteht hier: Ein kräftiger überwinternder Bestand wird im April umgebrochen, der Boden trocknet ab, die Folgekultur startet in eine grobe, wasserarme Krume. Wer im Frühjahr eine empfindliche Kultur plant, wählt deshalb bewusst abfrierende Mischungen.

Wasser ist die Grenze

In trockenen Lagen ist die Zwischenfrucht kein Selbstläufer. Sie verbraucht Wasser, das der Folgekultur fehlen kann, und in Jahren mit trockenem Spätsommer läuft sie oft ungleichmäßig auf. Deshalb gilt: flach säen, Rückverfestigung nicht vergessen, und bei ausbleibendem Regen die Bestandsdichte niedriger halten als im Prospekt.

Was die Praxis zeigt

Betriebe, die Zwischenfrüchte konsequent führen, berichten seltener von Erosionsschäden nach Starkregen und von besser befahrbaren Flächen im Frühjahr. Der Ertragseffekt in der Folgekultur ist kleiner als die Werbung verspricht und zeigt sich vor allem über Jahre — als stabilere Erträge in schwierigen Jahrgängen, nicht als Spitze im guten.

Für die Fruchtfolgeplanung heißt das: Die Zwischenfrucht ist kein Lückenfüller, sondern ein eigenes Glied mit eigenem Zweck. Wer weiß, ob sie Stickstoff sammeln, Beikraut unterdrücken oder Struktur bauen soll, wählt die Mischung fast automatisch richtig.

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