Untersaaten: Zwei Kulturen auf einer Fläche, zeitversetzt
Kleegras, das im stehenden Getreide etabliert wird, spart eine Aussaat und deckt die Fläche ab Ernte.
Redaktion Öko-Anbau5 Min. Lesezeit

Die Untersaat wächst unter der Hauptkultur hoch und übernimmt die Fläche, sobald der Mähdrescher weg ist. Der Termin entscheidet, ob das gelingt oder Konkurrenz entsteht.
Eine Untersaat wird in eine stehende Hauptkultur eingesät und entwickelt sich zunächst im Schatten. Nach der Ernte übernimmt sie die Fläche. Im Ökolandbau ist das der eleganteste Weg, ein Kleegras zu etablieren — ohne separates Saatbett, ohne zusätzliche Überfahrt nach der Ernte.
Was sie leistet
Die Fläche ist im Spätsommer und Herbst bedeckt, wenn andernorts nach dem Drusch offener Boden liegt. Das hält Nitrat im System, bremst Erosion und macht die Fläche befahrbarer. Gleichzeitig ist die Kleegrasfläche früher produktiv: Ein im Frühjahr etabliertes Kleegras liefert im Folgejahr vom ersten Schnitt an Ertrag, während ein nach der Ernte gesäter Bestand ein halbes Jahr Entwicklung nachholen muss.
Der Nebeneffekt, der in der Praxis am meisten zählt: Nach dem Drusch kommt kein Ausfallgetreide und kein Beikraut in Ruhe hoch, weil die Fläche schon besetzt ist.
Der Termin ist alles
Zu früh gesät, wächst die Untersaat der Hauptkultur ins Gesicht und kostet Ertrag. Zu spät, und sie bleibt zu klein, um nach der Ernte anzuwachsen.
In Wintergetreide liegt das Fenster meist im Frühjahr, nach dem letzten Striegeldurchgang und vor dem Schossen — der Striegel würde die Saat sonst mit herausreißen. In Sommergetreide kann gleichzeitig mit der Hauptkultur oder wenige Wochen später gesät werden. Praktisch heißt das: Die letzte mechanische Beikrautregulierung und die Untersaat werden zusammen geplant, nicht unabhängig voneinander.
Ausgebracht wird flach mit Drillmaschine, Pneumatikstreuer oder in Kombination mit dem Striegel. Bodenschluss ist wichtiger als Tiefe.
Die Wasserfrage
In trockenen Lagen ist die Untersaat riskant. Sie verbraucht Wasser in der Kornfüllungsphase der Hauptkultur, und das kann Ertrag und Protein kosten. Wo Frühsommertrockenheit die Regel ist, wird die Untersaat deshalb dünner ausgesät oder auf Kulturen mit früher Reife beschränkt.
Umgekehrt gilt: Auf Standorten mit ausreichender Wasserversorgung ist die Konkurrenz bei richtigem Termin gering, weil die Untersaat im Schatten kaum Masse bildet, solange die Hauptkultur steht.
Passende Mischungen
Klassisch ist Weißklee mit Deutschem Weidelgras — schattenverträglich, konkurrenzschwach in der Etablierung, kräftig nach der Ernte. Rotklee eignet sich für Bestände, die ein Jahr stehen bleiben. Wo eine kurze Nutzung geplant ist, reichen Landsberger Gemenge oder einfache Kleegrasmischungen mit geringer Aussaatstärke.
Wichtig ist die Stoppelhöhe. Wer hoch drischt, schützt die Untersaat; wer tief drischt und viel Häckselstroh gleichmäßig verteilt, erstickt sie streckenweise. Strohbergung hilft der Untersaat sichtbar.
Wo sie nicht passt
In Beständen mit starkem Beikrautdruck ist die Untersaat oft die falsche Wahl, weil sie weitere Striegelgänge ausschließt. Auch vor Kulturen, die eine tiefe Herbstbearbeitung brauchen, ist sie schwer unterzubringen. Und bei Sonnenblumen oder Mais mit späten Hackdurchgängen kollidieren Technik und Bestand.
Die Rechnung
Eine Untersaat kostet Saatgut und ein Zeitfenster in einer ohnehin dichten Phase. Sie ersetzt eine Aussaat, hält die Fläche bedeckt und bringt das Kleegras ein halbes Jahr früher in die Nutzung. Auf Betrieben mit Tierhaltung ist das schnell gerechnet; auf viehlosen Betrieben entscheidet, ob der Aufwuchs als Mulch oder über eine Futterkooperation verwertet wird.