Umstellungsware: Der Erlös in der Zwischenzeit
Zwischen konventionell und Bio liegt eine Phase, in der die Ware weder das eine noch das andere ist.
Redaktion Öko-Anbau5 Min. Lesezeit

Nach zwölf Monaten Umstellung darf pflanzliche Ware als Umstellungserzeugnis gekennzeichnet werden. Der Markt dafür ist schmal — im eigenen Stall ist sie oft am meisten wert.
Die Umstellungsphase ist der teuerste Abschnitt einer Bio-Umstellung: Der Betrieb arbeitet nach Öko-Regeln, verkauft aber zunächst zu konventionellen Preisen. Wie groß die Lücke wird, hängt davon ab, wie die Ware in dieser Zeit verwertet wird.
Was gekennzeichnet werden darf
Pflanzliche Erzeugnisse dürfen als Umstellungsware ausgezeichnet werden, wenn die Fläche eine Umstellungszeit von mindestens zwölf Monaten hinter sich hat. Der Hinweis lautet dann, dass es sich um ein Erzeugnis aus der Umstellung auf den ökologischen Landbau handelt; das EU-Bio-Logo darf nicht verwendet werden. Die Kennzeichnung ist auf Erzeugnisse mit einer landwirtschaftlichen Zutat beschränkt.
Tierische Erzeugnisse gibt es in dieser Form nicht — hier zählen eigene Umstellungsfristen je Tierart und Nutzungsrichtung.
Der Markt ist schmal
Für Umstellungsware existiert kein breiter Absatzkanal. Der Handel führt sie selten, weil die Erklärung am Regal aufwendig ist und Mengen unregelmäßig anfallen. Wo sie gehandelt wird, liegt der Aufschlag gegenüber konventioneller Ware üblicherweise deutlich unter dem Bio-Aufschlag — je nach Kultur und Jahr im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, manchmal bei null.
Zuverlässiger ist der Weg in den Futtermarkt: Umstellungsfutter darf in bestimmten Anteilen in Rationen von Ökobetrieben eingesetzt werden. Damit gibt es eine Nachfrage von Betrieben, die Bio-Futter suchen und Umstellungsware günstiger bekommen.
Der eigene Stall als bester Abnehmer
Auf gemischten Betrieben ist die Rechnung oft einfach: Was im eigenen Betrieb verfüttert wird, muss nicht vermarktet werden, und der Zukauf von teurem Bio-Futter entfällt in dem Umfang, in dem Umstellungsfutter zulässig ist. Betriebe mit Tierhaltung kommen deshalb regelmäßig günstiger durch die Umstellungsphase als reine Ackerbaubetriebe.
Wer keine Tiere hält, prüft die Kooperation mit einem umstellenden oder bereits zertifizierten Nachbarbetrieb — Futter gegen Wirtschaftsdünger ist ein etablierter Tauschhandel, der beiden Seiten hilft.
Die Fruchtfolge in der Umstellung planen
Die Verwertungsfrage lässt sich vorverlagern. Wer die Umstellungsjahre bewusst mit Kulturen belegt, die entweder im Betrieb bleiben oder ohnehin geringe Preisdifferenz haben, verkleinert die Lücke.
Kleegras wird in dieser Zeit nicht verkauft, sondern baut Fruchtbarkeit auf — die Fläche arbeitet für die Jahre danach.
Futtergetreide und Körnerleguminosen landen im eigenen Stall oder in der Nachbarschaft.
Kulturen mit hohem Bio-Aufschlag — Backweizen, Sonderkulturen, Gemüse — gehören in die Jahre nach dem Ende der Umstellung, nicht davor.
Was in die Kalkulation gehört
Realistisch gerechnet wird mit drei Posten: dem Erlösausfall gegenüber der späteren Bio-Kalkulation, den Ertragsrückgängen in den ersten Jahren, und den Kosten für Kontrolle, Beratung und gegebenenfalls Technik. Gegenüber stehen Umstellungsförderung, gesparte Betriebsmittel und der Wert des Kleegrases für die Folgejahre.
Die Erfahrung vieler Betriebe: Das zweite Umstellungsjahr ist das schwierigste. Der Beikrautdruck steigt, die Bodenfruchtbarkeit aus dem Kleegras wirkt noch nicht, und der Bio-Preis liegt noch außer Reichweite. Wer diese Phase in der Liquiditätsplanung abbildet, gerät nicht in Zugzwang.