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Anbau

Umstellung auf Bio: Was in den ersten drei Jahren wirklich passiert

Zwischen dem Vertragsabschluss mit der Kontrollstelle und dem ersten Euro Bio-Aufschlag liegen zwei Jahre, in denen der Betrieb nach Öko-Regeln wirtschaftet und konventionell verkauft.

Redaktion Öko-Anbau7 Min. Lesezeit

Terrassierte Felder in einer Landwirtschaftslandschaft

Die Umstellung beginnt nicht mit der ersten Bio-Ernte, sondern mit einer Zeitspanne, in der beide Welten aufeinandertreffen: Es gelten bereits die strengen Regeln, aber die Ware bringt noch keinen Öko-Preis. Wer diese Phase nicht durchkalkuliert, gerät genau dann in Bedrängnis, wenn der Umbau am teuersten ist.

Die Umstellung auf den ökologischen Landbau ist kein Stichtag, sondern ein Verfahren mit festen Fristen. Es beginnt an dem Tag, an dem der Betrieb sich einer zugelassenen Kontrollstelle unterstellt und die Meldung bei der zuständigen Landesbehörde erfolgt. Ab diesem Datum läuft die Umstellungszeit — und ab diesem Datum gelten die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung vollständig, auch wenn die Ernte noch nicht als Bio vermarktet werden darf.

Die Fristen

Die Verordnung (EU) 2018/848 setzt die Umstellungszeit nach Kulturart an:

  • Einjährige Kulturen: 24 Monate vor der Aussaat
  • Dauergrünland und Futterflächen: 24 Monate vor der Nutzung als Öko-Futter
  • Dauerkulturen wie Obst und Wein: 36 Monate vor der ersten Ernte, die als Bio gilt

Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem die Fläche geerntet wird, nicht der Kalendertag der Anmeldung. Wer im Herbst umstellt und im übernächsten Frühjahr aussät, verschiebt die erste Bio-Ernte damit unter Umständen um eine ganze Vegetationsperiode.

Umstellungsware — das Loch in der Kalkulation

In dieser Zeit produziert der Betrieb nach Öko-Auflagen: kein mineralischer Stickstoffdünger, keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, Beikrautregulierung mechanisch. Die Erträge gehen in aller Regel zurück, während die Ware im zweiten Jahr allenfalls als Umstellungsware vermarktet werden kann — Getreide, Futtermittel und Teile des Obstbaus haben dafür eigene, meist bescheidene Zuschläge. Ein großer Teil der Ernte geht schlicht in den konventionellen Absatz.

Diese Schere zwischen Öko-Kosten und konventionellem Erlös ist der eigentliche Engpass der Umstellung. Die Förderprogramme der Länder tragen dem mit erhöhten Sätzen für die Umstellungsjahre Rechnung; die Antragstellung läuft über die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen der zweiten Säule und ist an Fristen im Frühjahr gebunden, die unabhängig vom Kontrollvertrag laufen.

Was die Kontrollstelle prüft

Mindestens einmal jährlich kommt die Kontrollstelle auf den Betrieb, dazu kommen unangekündigte Kontrollen und Probenahmen nach Risiko. Geprüft wird nicht nur die Fläche, sondern die gesamte Dokumentation:

  • Schlagkartei mit allen Maßnahmen
  • Saatgutbelege, inklusive Nachweis für nicht verfügbares Öko-Saatgut
  • Zukauf von Futter, Dünger und Betriebsmitteln
  • Warenströme: Was ist eingekauft, was verkauft, passt die Menge zusammen

Der letzte Punkt wird unterschätzt. Die Mengenplausibilität ist das schärfste Instrument der Kontrolle: Wenn mehr Bio-Ware verkauft als plausibel erzeugt wurde, ist das ein handfester Befund.

Parallelbetrieb: möglich, aber unbequem

Ein Betrieb kann konventionelle und ökologische Einheiten parallel führen. Die Verordnung verlangt dann eine klare Trennung der Flächen, der Lagerung und der Aufzeichnungen, und die angebauten Kulturen müssen sich unterscheiden lassen. In der Praxis ist der Dokumentationsaufwand hoch und das Fehlerrisiko ebenso. Die meisten Betriebe stellen deshalb gesamtbetrieblich um — bei den Anbauverbänden ist das ohnehin Pflicht.

Was vor dem Kontrollvertrag geklärt sein sollte

Drei Fragen entscheiden mehr über den Erfolg der Umstellung als die Anbautechnik:

  1. Wohin geht die Ware? Abnehmer im Öko-Bereich arbeiten oft mit Vorverträgen und festen Qualitätsanforderungen. Wer erst nach der Umstellung sucht, verhandelt aus der schwächeren Position.
  2. Trägt die Fruchtfolge? Ohne Leguminosen und Kleegras fehlt der Stickstoff, ohne ausreichend weite Fruchtfolge steigt der Krankheitsdruck. Das ist eine Entscheidung über Jahre, nicht über eine Saison.
  3. Reicht die Technik? Striegel, Hackgerät und die passende Reihenweite sind Investitionen, die in der ertragsschwächsten Phase anfallen.

Die Umstellung scheitert selten an der Agronomie. Sie scheitert an der Liquidität im zweiten Jahr.

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