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Anbau

Tierhaltung im Ökobetrieb: Warum die Fläche die Herde begrenzt

Auslauf, Bio-Futter und eine Obergrenze für Nährstoffe pro Hektar — das Regelwerk denkt vom Boden aus.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Junge Pflanzen in Erde mit Nachhaltigkeitssymbolen

Ökologische Tierhaltung ist an Fläche gebunden: Das Futter soll vom Betrieb kommen, der Dünger zurück auf die Fläche gehen. Daraus folgen Bestandsgrößen, nicht umgekehrt.

Die Vorgaben für ökologische Tierhaltung wirken auf den ersten Blick wie eine Liste von Einzelanforderungen: Auslauf, mehr Platz, Bio-Futter, Einschränkungen bei Behandlungen. Der gemeinsame Nenner ist die Flächenbindung — Tierhaltung ist Teil eines Nährstoffkreislaufs, nicht ein davon getrennter Betriebszweig.

Die Obergrenze

Zentral ist die Begrenzung des über Wirtschaftsdünger ausgebrachten Stickstoffs auf 170 Kilogramm je Hektar und Jahr. Aus dieser Zahl ergibt sich für jede Tierart eine maximale Besatzdichte je Hektar. Wer mehr Tiere halten will, braucht mehr Fläche oder eine Kooperation, in der Dünger auf Flächen anderer Ökobetriebe ausgebracht wird.

Das ist der Grund, warum es im Ökolandbau keine flächenlose Tierhaltung gibt. Und es ist der Grund, warum Umstellung in viehstarken Regionen an der Fläche scheitert, nicht am Stall.

Futter: möglichst vom eigenen Betrieb

Gefüttert wird ökologisch erzeugtes Futter, mit Vorrang für betriebseigene und regionale Herkünfte. Bei Wiederkäuern muss der überwiegende Teil der Ration aus Raufutter bestehen — frisch, getrocknet oder siliert. Junge Säugetiere erhalten Muttermilch über eine Mindestdauer.

Praktisch entscheidet das über die Betriebsstruktur: Wer Milchvieh hält, braucht Grünland oder Kleegras in der Fruchtfolge und Lagerkapazität für Grundfutter. Zukauf ist möglich, aber teuer, und die Verfügbarkeit von Bio-Eiweißfutter ist der übliche Engpass — besonders bei Geflügel und Schweinen, deren Bedarf an hochwertigem Eiweiß nicht über Raufutter zu deckeln ist.

Haltung: Platz, Auslauf, Weide

Vorgeschrieben sind größere Stallflächen als im konventionellen Standard, Zugang zu Freigelände, Weidegang für Wiederkäuer in der Vegetationszeit, Einstreu in Liegebereichen und Tageslicht. Anbindehaltung ist grundsätzlich untersagt, mit engen Ausnahmen für Kleinbetriebe. Bei Geflügel gelten Vorgaben zu Herdengrößen, Stallabteilen, Sitzstangen und Auslauf; Schnabelkürzen ist nicht erlaubt.

Der bauliche Punkt, an dem viele Umstellungen hängen, ist der Auslauf. Ein Stall ohne Möglichkeit, einen befestigten Auslauf anzuschließen, ist oft nicht wirtschaftlich umzurüsten — und Genehmigungen für Anbauten dauern.

Tiergesundheit: Vorbeugen, dann behandeln

Der Ansatz ist Prävention über Rasse, Fütterung, Platz und Hygiene. Erkrankte Tiere müssen behandelt werden — Leiden zu unterlassen ist kein Ökoprinzip. Für die Anwendung chemisch-synthetischer Tierarzneimittel gelten aber Einschränkungen: begrenzte Behandlungszyklen je Tier und Jahr, sowie verlängerte Wartezeiten vor der Vermarktung, in der Regel das Doppelte der gesetzlichen Frist.

Prophylaktische Antibiotikagaben und Hormonbehandlungen zur Brunststeuerung sind ausgeschlossen. Homöopathische Mittel sind zulässig; sie ersetzen im Krankheitsfall keine wirksame Therapie.

Rassen und die Nutzungsfrage

Gefordert sind an die Bedingungen angepasste Rassen mit Robustheit und Langlebigkeit. In der Praxis führt das zu Diskussionen über Hochleistungsgenetik: Eine Kuh, die auf Kraftfutterrationen gezüchtet wurde, liefert unter grundfutterbetonter Ökofütterung weniger und hat oft mehr Stoffwechselprobleme. Ähnlich bei Geflügel, wo Zweinutzungsrassen und die Aufzucht männlicher Küken ein eigenes, wirtschaftlich schwieriges Thema sind.

Was das für die Kalkulation heißt

Ökologische Tierhaltung hat höhere Kosten je Einheit — Fläche, Futter, Platz, Arbeitszeit — und niedrigere Leistungen je Tier. Sie rechnet sich über Erzeugerpreise mit Aufschlag und über die Nährstoffe, die im Betrieb bleiben statt zugekauft zu werden. Der zweite Posten wird in Vergleichsrechnungen regelmäßig unterschätzt: Auf einem Ackerbaubetrieb ohne Tiere muss die Fruchtbarkeit anders erzeugt werden, und das kostet Fläche ohne Marktleistung.

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