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Garten

Saatgut selbst gewinnen: Was im Garten wirklich funktioniert

Samenfest oder Hybrid, Selbst- oder Fremdbefruchter — und wie viele Pflanzen es mindestens braucht.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Hochhäuser mit begrünten Terrassen

Tomaten, Bohnen und Salat sind ein guter Anfang, Kürbis und Möhre nicht. Wer eigenes Saatgut zieht, muss wissen, wie die Kultur bestäubt wird.

Eigenes Saatgut ist der naheliegendste Schritt zu mehr Unabhängigkeit im Garten — und der, bei dem am meisten schiefgeht. Der Grund ist selten die Technik des Trocknens, sondern die Biologie der Bestäubung.

Samenfest oder Hybrid

Nur samenfeste Sorten geben ihre Eigenschaften zuverlässig weiter. Aus dem Saatgut einer Hybridsorte, im Handel als F1 gekennzeichnet, entsteht in der nächsten Generation eine uneinheitliche Nachkommenschaft: Manche Pflanzen ähneln der Mutter, viele fallen in Wuchs, Reifezeit und Geschmack zurück. Wer vermehren will, kauft deshalb einmal samenfeste Sorten und arbeitet mit diesen weiter.

Selbstbefruchter: der leichte Einstieg

Bei Selbstbefruchtern findet die Bestäubung in der geschlossenen Blüte statt, Fremdpollen spielt kaum eine Rolle. Damit sind sie für Anfänger geeignet.

Tomate. Vollreife Frucht ernten, Samen mit Gelee in ein Glas Wasser geben, zwei bis drei Tage gären lassen, bis sich die Gallerthülle löst. Danach spülen, auf einem Teller trocknen, nicht auf Küchenpapier. Zwei bis drei Pflanzen pro Sorte reichen.

Bohne und Erbse. Hülsen an der Pflanze ausreifen lassen, bis sie rascheln, dann trocken ernten und ausschälen. Auf Trockenheit achten — feuchte Kerne schimmeln im Glas.

Salat. Blüte durchwachsen lassen, Samenstand abschneiden, sobald sich der erste Flugsamen zeigt, und nachtrocknen. Salat schießt bei Hitze zuverlässig, das ist hier ein Vorteil.

Fremdbefruchter: Abstand oder Isolieren

Kürbis, Zucchini, Gurke, Mais, Kohlarten, Möhre, Zwiebel, Rote Bete und Radieschen werden über Insekten oder Wind bestäubt. Zwei Sorten derselben Art im Garten kreuzen sich, und das Ergebnis zeigt sich erst im Folgejahr. Dazu kommt der Nachbargarten in Flugweite der Bienen.

Zwei Wege führen trotzdem zum Ziel: entweder nur eine Sorte je Art anbauen — für Kürbis und Zucchini die einfachste Lösung — oder von Hand bestäuben und die Blüte davor und danach verschließen. Bei Kürbisgewächsen ist das mit weiblichen und männlichen Blüten gut machbar; bei Möhre und Zwiebel braucht es Netze über dem Bestand.

Wichtig ist außerdem die Anzahl. Fremdbefruchter brauchen eine Mindestpopulation, sonst geht genetische Vielfalt verloren und die Nachkommen verlieren Vitalität. Bei Kohl und Möhre sind das eher zwanzig Pflanzen als fünf — der Grund, warum diese Kulturen im Hausgarten selten sinnvoll vermehrt werden.

Zweijährige brauchen einen Winter

Möhre, Rote Bete, Kohl, Zwiebel, Sellerie und Petersilie blühen erst im zweiten Jahr. Dafür müssen Wurzeln oder Pflanzen überwintert werden — im Boden bei milden Lagen mit Abdeckung, sonst im Sandlager kühl und frostfrei. Erst im Folgejahr entstehen Blüte und Samen. Das ist Aufwand über zwei Saisons und der Punkt, an dem viele aufhören.

Trocknen, prüfen, lagern

Saatgut lagert nur trocken. Nach dem Reinigen an einem luftigen, schattigen Ort nachtrocknen, bis Kerne beim Biegen brechen statt zu federn. Danach in Papiertüten oder Gläsern kühl, dunkel und trocken aufbewahren, immer mit Sorte und Jahr beschriftet.

Vor der Aussaat lohnt eine Keimprobe: zehn oder zwanzig Korn feucht auf Papier legen, nach der sortentypischen Zeit zählen. Das erspart eine Lücke im Beet. Die Haltbarkeit unterscheidet sich stark — Bohnen und Tomaten halten mehrere Jahre, Zwiebel, Pastinake und Schwarzwurzel deutlich kürzer.

Was am Anfang steht

Wer beginnen will, nimmt Tomate, Buschbohne und Salat und lässt Kürbis und Möhre erst einmal weg. Nach zwei Jahren ist der eigene Vorrat groß genug, um Sorten bewusst weiterzuentwickeln — und man kennt die eigenen Bedingungen besser als jede Sortenbeschreibung.

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