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Garten

Nützlinge ansiedeln: Struktur schlägt Insektenhotel

Blühendes über die ganze Saison, Totholz, ungemähte Ecken und Wasser — das wirkt, gekaufte Häuschen kaum.

Redaktion Öko-Anbau5 Min. Lesezeit

Junge Pflanzen in Erde mit Nachhaltigkeitssymbolen

Wer Blattläuse ohne Mittel loswerden will, braucht Tiere, die sie fressen. Die brauchen Nahrung im ganzen Jahr, Verstecke und Ruhe — nicht in erster Linie ein Insektenhotel.

Biologischer Pflanzenschutz im Garten ist kein Produkt, sondern ein Zustand: genug Räuber und Parasitoide, die einen Befall abfangen, bevor er auffällt. Dafür braucht es drei Dinge — Nahrung über die ganze Saison, Verstecke zum Überwintern und Wasser.

Wer die Arbeit macht

Florfliegen und Schwebfliegen. Ihre Larven fressen Blattläuse in großen Mengen. Die erwachsenen Tiere leben von Pollen und Nektar — deshalb entscheidet das Blütenangebot, ob sie Eier in Ihrem Garten legen. Doldenblütler wie Dill, Fenchel, Koriander und Wilde Möhre sind ihre wichtigste Nahrungsquelle.

Marienkäfer. Larven und Käfer fressen Blattläuse. Sie überwintern in Laub, Mauerspalten und trockenen Staudenstängeln.

Schlupfwespen. Legen Eier in Raupen, Läuse und Larven. Sehr wirksam, kaum sichtbar, ebenfalls auf Nektar aus kleinblütigen Pflanzen angewiesen.

Laufkäfer und Kurzflügler. Bodenjäger, die nachts Schnecken, Eier und Larven fressen. Sie brauchen Bodendeckung und ungestörte Bereiche.

Vögel, Igel, Kröten, Blindschleichen, Fledermäuse. Der größere Teil, oft übersehen. Eine Blaumeisenfamilie verfüttert im Frühjahr eine erhebliche Menge Raupen.

Was tatsächlich wirkt

Blüten von März bis Oktober. Der häufigste Fehler ist ein Garten, der im Mai bunt ist und im August leer. Nützlinge brauchen durchgehend Nahrung: Frühblüher wie Weide, Krokus und Lungenkraut, dann Doldenblütler und Kräuter, im Spätsommer Fetthenne, Astern, Zinnien. Kräuter blühen lassen, statt alles abzuschneiden — Petersilie, Dill, Koriander, Fenchel im zweiten Jahr sind erstklassige Nützlingsweiden.

Totholz und Steinhaufen. Ein Stapel Astschnitt in einer Ecke und ein Steinhaufen an einer sonnigen Stelle bringen mehr als jedes gekaufte Häuschen. Blindschleichen, Kröten und Laufkäfer brauchen genau das.

Ungemähte Bereiche und Staudenstängel über den Winter. Der Rückschnitt im Herbst räumt die Winterquartiere ab. Wer Stauden bis März stehen lässt und eine Wiesenecke ungemäht überwintert, behält seine Population.

Wasser. Eine flache Schale mit Steinen als Ausstieg, regelmäßig gewechselt. Wird von Bienen, Wespen, Vögeln und Igeln genutzt.

Laub liegen lassen. Unter Hecken und Sträuchern. Dort überwintern Igel, Laufkäfer und Marienkäfer.

Was wenig bringt

Gekaufte Insektenhotels mit zu großen oder ausgefransten Bohrlöchern, Kiefernzapfen und Rindenstücken werden kaum besiedelt. Wenn Nisthilfe, dann sauber gebohrte Hartholzlöcher von zwei bis acht Millimetern quer zur Faser und markhaltige Stängel — und Standort sonnig, regengeschützt, in Ruhe.

Ebenso wenig hilft der punktuelle Kauf von Nützlingen im Freiland: Sie wandern ab, wenn die Bedingungen nicht passen. Im Gewächshaus ist das anders, dort funktioniert der gezielte Einsatz gut.

Der Punkt, an dem Geduld nötig ist

Ein Garten ohne Insektizide erlebt im ersten und zweiten Jahr stärkere Blattlausphasen, weil die Räuber noch fehlen. Wer in dieser Phase eingreift, verhindert genau den Aufbau, den er braucht. Ab dem dritten Jahr regelt sich der Großteil von selbst — und für den Rest reichen Wasserstrahl, Abstreifen mit den Fingern und im Notfall Kaliseife an einzelnen Pflanzen.

Der wirksamste Beitrag bleibt unspektakulär: weniger aufräumen, länger blühen lassen, eine Ecke in Ruhe lassen.

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