Nachhaltig schenken: Worauf Eltern bei Kleidung und Geschenken achten können
Weniger, dafür passender: Wie Familien Geschenke für Kinder auswählen, die lange Freude machen – von Siegeln für Kinderkleidung über die richtige Größe bis zum Weitergeben.
Redaktion Öko-Anbau5 Min.

Geburtstag, Weihnachten, Einschulung: Kinder bekommen viele Geschenke, und vieles davon ist schnell vergessen. Wer nachhaltig schenken möchte, muss nicht verzichten, sondern genauer hinschauen. Grundsätze für Eltern, Großeltern und Paten.
Spätestens im Herbst beginnt in vielen Familien die Frage, was die Kinder zu Weihnachten bekommen sollen. Großeltern fragen nach Wunschzetteln, Paten nach Ideen, und am Ende liegen oft mehr Päckchen unter dem Baum, als ein Kind überhaupt bespielen kann. Nachhaltig zu schenken heißt nicht, Kindern die Freude zu nehmen. Es heißt, so auszuwählen, dass ein Geschenk lange genutzt wird, bei der Herstellung möglichst wenig Schaden anrichtet und am Ende nicht als Müll endet.
Weniger, aber gezielter
Der wirksamste Schritt ist zugleich der einfachste: sich in der Familie absprechen. Wenn Eltern, Großeltern und Paten wissen, was die anderen schenken, gibt es weniger Doppelungen und weniger Spontankäufe. Manche Familien legen sich auf eine Regel fest, etwa: ein Wunsch, etwas zum Anziehen, etwas zum Lesen und etwas zum Erleben. Das hilft, den Überblick zu behalten, und macht jedes einzelne Geschenk wertvoller.
Kinderkleidung: Haut, Schadstoffe, Siegel
Kinderhaut ist dünner und empfindlicher als die von Erwachsenen. Bei Kleidung, die direkt auf der Haut getragen wird, lohnt deshalb ein Blick auf unabhängige Kennzeichen. Drei begegnen Eltern in Deutschland besonders häufig:
- GOTS (Global Organic Textile Standard): setzt einen hohen Anteil an Fasern aus ökologischem Anbau voraus und stellt Anforderungen an Chemikalien und Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung.
- OEKO-TEX Standard 100: testet das fertige Textil auf Schadstoffe, für Babyartikel mit besonders strengen Grenzwerten. Über den Anbau der Faser sagt das Zeichen nichts aus.
- Grüner Knopf: staatliches deutsches Siegel, das soziale und ökologische Anforderungen an Produkt und Unternehmen verbindet.
Neue Kleidung vor dem ersten Tragen zu waschen ist bei Kindern grundsätzlich sinnvoll, weil sich dabei Rückstände aus Produktion und Transport lösen.
Die richtige Größe: großzügig, aber nicht zu groß
Kinder wachsen schnell, und Kleidung, die nach drei Monaten nicht mehr passt, ist ökologisch wie finanziell ärgerlich. Eine Nummer größer zu kaufen ist bei Pullovern, Jacken oder Shirts oft sinnvoll, dann reicht das Stück auch in der nächsten Saison. Zu weit sollte es allerdings nicht sein, sonst wird es nicht gern getragen. Bei Schuhen kann eine zu große Größe sogar schaden.
Wer verschenkt, kennt die Größe oft nicht genau. Ein unauffälliger Blick in den Kleiderschrank oder eine Nachfrage bei den Eltern verhindert Umtausch und Rücksendungen. Jede vermiedene Rücksendung spart Transportwege und Verpackung.
Geschenke mit Bedeutung halten länger
Kinder hängen an Dingen, die eine Geschichte haben. Ein Kuscheltier vom Opa, ein Buch, das schon die Mutter gelesen hat, oder das erste Trikot des Lieblingsvereins werden selten achtlos weggeworfen. Gerade im Fußball wird die Begeisterung häufig in der Familie weitergegeben: Wer mit dem Großvater zum ersten Mal ins Stadion geht, verbindet ein Trikot mit genau diesem Tag.
Bei Fanbekleidung gelten dieselben Überlegungen wie bei jedem anderen Kleidungsstück für Kinder: lieber ein Stück, das wirklich gewünscht ist, als drei, die nur gut gemeint sind. Wer etwa Löwen-Fans in der Familie beschenkt, findet Trikots für Kinder und die ganze Familie samt Hinweisen, worauf man beim Verschenken achten sollte. Für den Nachwuchs wird dort ebenfalls eine eher großzügige Größe empfohlen, damit das Trikot länger als eine Saison passt.
Erlebnisse statt Dinge
Ein gemeinsamer Ausflug, ein Museumsbesuch, ein Nachmittag im Stadion oder ein Kurs im Lieblingssport erzeugen keinen Abfall und bleiben oft länger in Erinnerung als ein weiteres Spielzeug. Für Großeltern kann gemeinsame Zeit das schönste Geschenk sein, und zwar für beide Seiten. Ein selbst gestalteter Gutschein macht das Erlebnis auch unter dem Weihnachtsbaum greifbar.
Gebraucht, getauscht, weitergegeben
Second-Hand ist bei Kindersachen besonders naheliegend, weil viele Stücke kaum abgenutzt sind, bevor die Kinder herauswachsen. Kleiderbörsen, Tauschgruppen im Kindergarten oder Online-Plattformen bieten gute Qualität zu niedrigen Preisen. Bei Spielzeug lohnt der Blick auf robuste Materialien wie massives Holz und auf Hersteller, die Ersatzteile anbieten.
Umgekehrt gilt: Wer beim Kauf auf Qualität achtet, kann ein Stück später weitergeben. Eine robuste Jacke oder ein gut erhaltenes Trikot wandert so vom ältesten Kind zum jüngsten oder in die Nachbarschaft.
Spielzeug: robust statt kurzlebig
Bei Spielsachen lohnt die Frage, wie lange ein Kind damit voraussichtlich spielt. Bausteine, Holzfahrzeuge, Bälle oder Malzeug begleiten oft mehrere Jahre und wandern danach zu Geschwistern. Elektronisches Spielzeug mit fest verbauten Akkus ist dagegen schwer zu reparieren und wird zu Elektroschrott. Ein Blick auf das CE-Zeichen und auf Prüfzeichen wie das GS-Zeichen hilft zusätzlich bei der Sicherheit.
Verpackung ohne Müllberg
Geschenkpapier mit Metallic- oder Kunststoffbeschichtung gehört nicht ins Altpapier. Stoffbeutel, alte Zeitungen, wiederverwendbare Geschenkkisten oder ein Tuch, das nach japanischer Furoshiki-Art geknotet wird, sind Alternativen, die Kinder oft genauso spannend finden. Schleifenband lässt sich aufheben und im nächsten Jahr erneut verwenden.
Häufige Fragen
Welches Siegel ist bei Babykleidung am aussagekräftigsten?
GOTS deckt Anbau, Verarbeitung und Sozialstandards ab. OEKO-TEX Standard 100 konzentriert sich auf Schadstoffe im fertigen Produkt und hat für Babyartikel die strengsten Grenzwerte. Beide ergänzen sich.
Ist es nachhaltiger, Kinderkleidung eine Nummer größer zu kaufen?
Meist ja, weil das Kleidungsstück länger passt. Bei Schuhen sollte die Größe dagegen stimmen.
Wie gehe ich mit vielen Geschenken von Verwandten um?
Eine offene Absprache in der Familie hilft, etwa über einen gemeinsamen Wunschzettel oder eine Aufteilung nach Kategorien.