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Politik

Moorböden: Die größte Einzelposition in der Klimabilanz der Landwirtschaft

Entwässerte Moore setzen dauerhaft Kohlenstoff frei. Wiedervernässung ist wirksam — und ein Eingriff in Betriebe.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Wald von oben mit eingeblendeten Nachhaltigkeitsdaten

Wenige Prozent der landwirtschaftlichen Fläche verursachen einen erheblichen Teil der Emissionen des Sektors. Paludikultur soll Nutzung und Vernässung verbinden.

In der Klimabilanz der Landwirtschaft gibt es eine Position, die in keinem Verhältnis zu ihrer Fläche steht: entwässerte organische Böden. Sie machen nur wenige Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland aus und verursachen einen erheblichen Anteil der Emissionen des Sektors.

Warum entwässerte Moore emittieren

Ein Moor speichert Kohlenstoff, weil Pflanzenreste unter Wasser nicht vollständig abgebaut werden. Wird der Wasserstand abgesenkt, gelangt Sauerstoff in den Torf, der mikrobielle Abbau beginnt, und der über Jahrtausende gebundene Kohlenstoff entweicht als Kohlendioxid. Zusätzlich entweicht Lachgas.

Der Prozess läuft, solange Torf vorhanden ist — Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Er ist nicht an Bewirtschaftungsintensität gebunden: Auch extensiv genutztes, entwässertes Grünland auf Moor emittiert. Das ist der unangenehme Teil der Botschaft, weil er auch Ökobetriebe betrifft. Ein Bio-Siegel ändert an der Physik des Torfabbaus nichts.

Als Nebeneffekt sinkt die Fläche ab — Moorböden verlieren Höhe, was Entwässerung und Bewirtschaftung über die Jahre erschwert.

Wiedervernässung wirkt sofort

Wird der Wasserstand angehoben, bricht der Abbau ein. Die Emissionsminderung setzt unmittelbar ein und ist je Hektar größer als bei fast jeder anderen Klimaschutzmaßnahme in der Landwirtschaft. Bei sehr hohen Wasserständen können Methanemissionen zunehmen; in der Gesamtbilanz bleibt Vernässung dennoch deutlich vorteilhaft.

Der Konflikt liegt nicht in der Wirkung, sondern in der Nutzung: Nasse Flächen sind mit üblicher Technik nicht befahrbar, Milchviehhaltung auf vernässtem Grünland funktioniert nicht, und Flächenwert und Pachtansprüche hängen an der bisherigen Nutzung.

Paludikultur als Nutzungsform

Paludikultur bedeutet Bewirtschaftung nasser Moorböden. Etablierte und erprobte Wege:

Rohrkolben und Schilf als Baustoff, Dämmmaterial und Substrat. Ernte im Winter auf gefrorenem Boden oder mit Spezialtechnik.

Nasswiesen mit spätem Schnitt für Einstreu, Heu geringer Qualität, Biogassubstrat oder Futter für robuste Rassen.

Torfmooskultivierung als Ersatz für Torf in Substraten — ein wachsender Markt, weil Torfabbau für Blumenerde politisch auslaufen soll.

Wasserbüffel und robuste Rinderrassen auf feuchten Weiden, mit angepasster Besatzdichte.

Gemeinsames Problem aller Verfahren ist die Wirtschaftlichkeit: Erträge und Preise liegen unter dem, was intensive Nutzung auf dränierten Flächen bringt. Ohne Honorierung der Klimaleistung rechnet sich das für einen einzelnen Betrieb selten.

Was Betriebe wissen müssen

Wiedervernässung ist keine Einzelentscheidung. Wasserstände lassen sich nur über zusammenhängende Gebiete steuern, weshalb Nachbarflächen mit betroffen sind. Notwendig sind wasserrechtliche Verfahren, Abstimmung mit Wasser- und Bodenverbänden und in der Regel Beteiligung mehrerer Eigentümer und Pächter.

Zu prüfen sind außerdem Auswirkungen auf Förderfähigkeit und Pachtverträge. Programme des Bundes und der Länder honorieren Vernässung inzwischen, teils über Förderung, teils über Modelle zum Handel mit Klimazertifikaten. Deren Belastbarkeit ist unterschiedlich; Verträge über Jahrzehnte gehören juristisch geprüft.

Die realistische Einordnung

Für Betriebe mit Moorflächen ist das Thema nicht abstrakt: Der Druck, Emissionen zu senken, wächst, und Moorflächen sind der Ort mit dem größten Hebel. Wer früh mitverhandelt, gestaltet Bedingungen, Zeitpunkte und Entschädigungen mit. Wer wartet, bekommt sie vorgelegt.

Und für die Debatte insgesamt gilt eine unbequeme Symmetrie: Klimaschutz auf Moorböden ist wirksamer als fast jede Maßnahme auf mineralischen Böden — und trifft eine kleine Gruppe von Betrieben besonders hart. Deshalb entscheidet die Ausgestaltung der Honorierung darüber, ob daraus ein Konflikt oder ein Betriebszweig wird.

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