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Markt

Mobilität für Direktvermarkter: Touren bündeln, Kühlung planen, am Hof laden

Hofladen, Gemüsekiste, Wochenmarkt: Wie Betriebe im Voralpenland ihre Fahrten zählen, zusammenlegen und mit passendem Fahrzeug und eigenem Solarstrom klimafreundlicher organisieren.

Redaktion Öko-Anbau5 Min.

Präsentation von Nachhaltigkeitskennzahlen in einer Sitzung

Viele Direktvermarkter fahren mehr, als sie müssten – nicht wegen der Kundschaft, sondern wegen fehlender Planung. Ein Leitfaden zu Tourenbündelung, Kühlkette, Fahrzeugwahl nach Betriebsprofil und Laden mit PV-Strom vom Hofdach.

Ein Hofladen im Landkreis Miesbach, dienstags und freitags Wochenmarkt in der Kreisstadt, dazu jeden Donnerstag eine Runde mit Gemüsekisten durch drei Gemeinden: So oder ähnlich sieht die Woche vieler Direktvermarkter im Voralpenland aus. Die Ware ist ökologisch erzeugt, der Weg zur Kundschaft oft weniger durchdacht. Fahrten entstehen, weil sie sich ergeben – nicht, weil sie geplant sind. Dabei liegt gerade hier ein Hebel, der Zeit, Geld und Emissionen zugleich betrifft.

Erst zählen, dann optimieren

Bevor über Fahrzeuge gesprochen wird, lohnt eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wer zwei, drei Wochen lang jede betriebliche Fahrt notiert – Ziel, Zweck, Ladung, Kilometer, Dauer –, sieht schnell, wo die Wege herkommen. Typisch sind drei Muster: die feste Tour (Markt, Kistenrunde), die Versorgungsfahrt (Landhandel, Verpackung, Saatgut, Werkstatt) und die spontane Einzelfahrt, weil etwas fehlt oder ein Kunde kurzfristig bestellt hat.

Die festen Touren sind meist schon halbwegs effizient. Teuer sind die beiden anderen Kategorien: kurze, schlecht ausgelastete Fahrten, die sich über die Woche summieren und zwischen Stall, Feld und Laden Arbeitszeit fressen. Genau dort setzt eine bessere Organisation an.

Touren bündeln statt Wege sammeln

Der wirksamste Schritt kostet kein Geld: Fahrten zusammenlegen. Einige Ansätze, die sich in der Praxis bewährt haben:

  • Feste Liefertage. Eine Gemüsekiste, die nur an einem Tag pro Gebiet kommt, lässt sich als Ring planen statt als Zickzack. Kundinnen und Kunden akzeptieren das in aller Regel, wenn der Termin verlässlich ist.
  • Versorgung an die Tour hängen. Wer ohnehin donnerstags durch den Nachbarort fährt, holt dort auch Kartonagen oder Ersatzteile ab. Eine kleine Liste im Lieferfahrzeug hilft mehr als jede App.
  • Abholstationen nutzen. Ein Kühlschrank im Dorfladen, ein Depot bei einer Kundin mit Garage oder eine Übergabe am Wochenmarkt ersetzt viele Einzelstopps. Bei Solidarischen Landwirtschaften ist das Depot ohnehin üblich.
  • Mit Nachbarbetrieben kooperieren. Wenn ein Käser und ein Gemüsebetrieb denselben Markt beliefern, kann einer fahren und der andere die Kühlung stellen. Abrechnung und Haftung sollten dann schriftlich geregelt sein.

Für die Routenplanung genügt oft ein einfacher Kartendienst mit Mehrfachzielen. Spezialsoftware lohnt sich erst, wenn regelmäßig deutlich mehr als zwanzig Stopps anfallen. Wichtiger als das Werkzeug ist die Disziplin, die Reihenfolge einmal sauber festzulegen und nur bei echtem Bedarf zu ändern.

Kühlung: die eigentliche Frage beim Transport

Bei Gemüse, Obst und Brot reicht meist ein schattiger, sauberer Laderaum und eine kurze Standzeit. Anders bei Milchprodukten, Eiern, Fleisch und Wurst: Für leicht verderbliche Lebensmittel gelten lebensmittelrechtliche Anforderungen an die Kühlkette, die auch auf der Lieferfahrt einzuhalten sind. Welche Temperaturen und Nachweise für das eigene Sortiment konkret verlangt sind, klärt man am besten mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung im Landratsamt, bevor die Lieferung startet.

Praktisch gibt es drei Stufen. Isolierboxen mit Kühlakkus genügen für kurze Runden und kleine Mengen. Elektrische Kühlboxen, die am Bordnetz hängen, halten länger durch, belasten aber die Batterie, wenn das Fahrzeug häufig steht. Für größere Mengen und Wochenmärkte sind Kühlanhänger oder Fahrzeuge mit fest eingebautem Kühlaggregat üblich. Ein einfacher Temperaturlogger in der Box schafft Klarheit, ob die Kette tatsächlich hält, und ist im Zweifel auch ein Nachweis.

Ein unterschätzter Punkt ist die Vorkühlung: Ware, die gut gekühlt ins Fahrzeug kommt, braucht unterwegs deutlich weniger Kühlleistung. Wer den Kühlraum am Hof morgens mit eigenem Solarstrom herunterkühlt, verschiebt Energiebedarf aus dem Fahrzeug in den Betrieb.

Fahrzeugwahl: nach Profil, nicht nach Gewohnheit

Welches Fahrzeug passt, hängt an drei Fragen: Wie viel Volumen wird regelmäßig bewegt? Wird ein Anhänger gezogen, etwa ein Verkaufs- oder Kühlanhänger? Und wie sieht das Gelände aus – Hofzufahrt, Feldweg, Steigungen, Winter?

Für reine Kistenrunden mit viel Volumen ist ein Kastenwagen oft die ehrlichste Lösung; elektrische Transporter haben hier in den letzten Jahren stark aufgeholt, weil die täglichen Strecken planbar sind und das Fahrzeug nachts am Hof lädt. Wer dagegen einen Marktanhänger zieht, sonntags aber auch privat unterwegs ist, landet häufig bei einem SUV oder Kombi mit Anhängerkupplung. Entscheidend ist die zulässige Anhängelast laut Fahrzeugpapieren, nicht die Einschätzung im Verkaufsgespräch – und dass Zugfahrzeug, Anhänger und Führerscheinklasse zusammenpassen.

Im Voralpenland kommt eine Besonderheit hinzu: Viele Höfe liegen abseits, Ladesäulen sind dünner gesät als in der Stadt, und im Winter entscheiden Steigung und Schnee über die Wahl. Plug-in-Hybride sind deshalb für manche Betriebe ein pragmatischer Zwischenschritt. Sie fahren die kurzen Wege im Ort elektrisch und brauchen für die lange Fahrt keine Ladeplanung. Ein Beispiel für diese Fahrzeugklasse ist der JAECOO 7 PHEV, für den der Hersteller 90 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP und 1.500 kg gebremste Anhängelast angibt. Ob ein solches Modell zum eigenen Betrieb passt, lässt sich nur mit dem eigenen Fahrtenprofil und am besten mit beladenem Anhänger auf der eigenen Hofzufahrt beurteilen. Wer das im Landkreis durchspielen will, findet eine SUV-Beratung für den Landkreis Miesbach.

Wichtig bleibt: Ein Plug-in-Hybrid ist nur dann klimafreundlicher, wenn er tatsächlich regelmäßig geladen wird. Ohne Ladegewohnheit fährt er überwiegend mit dem Verbrennungsmotor und trägt dabei zusätzlich das Gewicht der Batterie.

Laden am Hof mit PV: Fahrplan statt Zufall

Viele Betriebe haben Photovoltaik auf Scheune oder Maschinenhalle. Damit der Strom ins Fahrzeug geht und nicht für wenige Cent ins Netz, muss die Ladezeit zum Fahrplan passen. Das gelingt umso besser, je fester die Touren sind: Ein Lieferfahrzeug, das donnerstags früh losfährt und mittags zurück ist, kann am Nachmittag in der Sonnenspitze laden. Eine Wallbox mit Überschussladung übernimmt die Steuerung, ein Lastmanagement verhindert, dass Kühlraum, Melktechnik und Fahrzeug gleichzeitig am Hausanschluss ziehen.

Für die Planung hilft eine einfache Rechnung: Wie viele Kilometer fährt das Fahrzeug an einem typischen Tourtag, und wie viel davon lässt sich an Tagen mit Sonnenüberschuss nachladen? Im Winter wird der Eigenstromanteil im Voralpenland deutlich sinken; das gehört ehrlich in die Kalkulation. Steuerliche Fragen zur Nutzung von Betriebsstrom für Fahrzeuge, gerade bei gemischter privater und betrieblicher Nutzung, sollten mit der Steuerberatung geklärt werden.

Fazit: Organisation vor Anschaffung

Die klimafreundlichste Fahrt ist die, die nicht stattfindet. Direktvermarkter, die ihre Wege zählen, Touren bündeln und Abholstationen nutzen, sparen oft mehr Kilometer, als ein neues Fahrzeug je ausgleichen könnte. Erst danach lohnt die Frage nach Antrieb und Fahrzeugklasse – und dann mit klaren Kriterien: Volumen, Anhänger, Gelände, Lademöglichkeit am Hof. Wer so vorgeht, bringt die ökologische Haltung vom Acker bis an die Haustür der Kundschaft.

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