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Ernährung

Verluste vor dem Regal: Was auf dem Feld und im Lager bleibt

Ein erheblicher Teil der Ernte wird nie verkauft — wegen Größe, Form, Termin oder fehlender Verwertung.

Redaktion Öko-Anbau5 Min. Lesezeit

Recyclingsymbol aus Papier

Die Diskussion über Lebensmittelverschwendung beginnt meist im Haushalt. Der größte einzelne Hebel liegt aber zwischen Feld und Sortieranlage.

Wenn von Lebensmittelverschwendung die Rede ist, geht es meist um den Kühlschrank. Ein erheblicher Teil der Verluste entsteht jedoch früher: auf dem Feld, bei der Sortierung, im Lager und beim Handel — dort, wo Ware wegen Größe, Optik oder Timing nicht in die Kette kommt.

Wo die Verluste entstehen

Auf dem Feld. Bei Frischgemüse bleibt Ware stehen, wenn Größen nicht in die Norm passen, ein Erntetermin verpasst wurde oder der Absatz kurzfristig ausfällt. Ein Kohlkopf, der zwei Wochen zu spät geerntet würde, platzt; ein Salat, der nicht abgerufen wird, schießt.

Bei der Aufbereitung. Waschen und Sortieren erzeugt Ausschuss: krumme Möhren, Zwiebeln in falscher Kaliberklasse, Kartoffeln mit Schalenfehlern. Ein Teil geht in die Verarbeitung, ein Teil ins Futter, ein Teil in den Kompost.

Im Lager. Fäulnis, Keimung und Feuchteschäden entstehen bei suboptimalen Bedingungen. Bei Kartoffeln und Wurzelgemüse liegen hier die größten vermeidbaren Verluste.

Im Handel. Bestellmengen, die kurzfristig reduziert werden, und Aktionsware, die nicht abgeholt wird, treffen den Erzeuger — die Ware ist dann geerntet und nicht mehr platzierbar.

Warum Bio davon nicht ausgenommen ist

Im Gegenteil: Bio-Ware hat naturgemäß mehr Varianz in Größe und Form, weil weniger steuernd eingegriffen wird. Trifft diese Varianz auf dieselben Handelsnormen wie konventionelle Ware, ist der Ausschussanteil höher. Betriebe berichten je nach Kultur und Jahr von zweistelligen Prozentanteilen, die nicht in die Erstvermarktung gehen.

Der zweite Punkt ist Haltbarkeit: Ohne Nachernte-Behandlungen ist die Lagerdauer bei manchen Kulturen kürzer, was engere Vermarktungsfenster bedeutet.

Was auf Betriebsebene wirkt

Zweite Kanäle etablieren. Abokiste, Hofladen, Verarbeiter, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung nehmen Ware, die für den Handel zu groß, zu klein oder zu krumm ist. Der Preis ist niedriger, der Beitrag zum Deckungsbeitrag positiv — vorausgesetzt, die Logistik steht.

Verarbeitung. Suppengemüse, Saft, Fermentation, Trocknung. Für viele Betriebe erst ab einer bestimmten Menge sinnvoll, oft besser über einen regionalen Verarbeiter als im eigenen Haus.

Lager verbessern. Temperatur- und Feuchtesteuerung, Belüftung, Sortierung vor der Einlagerung. Der billigste vermiedene Verlust ist der im eigenen Lager.

Verträge realistisch schließen. Verbindliche Abnahmemengen statt Absichtserklärungen, Regelungen für Über- und Untermengen, Preise für zweite Qualität. Das verhindert die Situation, in der Ware geerntet ist und niemand sie abruft.

Was Handel und Verbraucher beitragen

Handelsnormen sind zum Teil rechtlich vorgegeben, zum größeren Teil aber Handelspraxis. Wo Ketten breitere Kaliber und mehrere Qualitätsstufen listen, sinkt der Ausschuss messbar. Programme mit optisch abweichender Ware funktionieren, wenn sie dauerhaft geführt werden und nicht als Aktion.

Im Haushalt bleibt der größte Hebel die Einkaufsplanung und die Bereitschaft, Gemüse zu verarbeiten, das nicht wie im Katalog aussieht. Das ist kein moralischer Appell, sondern eine schlichte Mengenfrage: Was auf dem Feld liegen bleibt, wurde mit Fläche, Wasser und Arbeit erzeugt — die Ökobilanz eines nicht gegessenen Lebensmittels ist die schlechteste von allen.

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