Kräutergarten: Mager, sonnig, oft geschnitten
Die meisten Küchenkräuter wollen weniger, als man ihnen gibt — vor allem weniger Nährstoffe und weniger Wasser.
Redaktion Öko-Anbau5 Min. Lesezeit

Rosmarin, Thymian und Salbei stammen aus kargen Lagen. Wer sie düngt und gießt wie Gemüse, bekommt weiche Triebe und wenig Aroma.
Kräuter sind im Garten der Bereich mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Nutzen — vorausgesetzt, man behandelt sie nicht wie Gemüse. Der häufigste Fehler ist Fürsorge: guter Kompost, regelmäßiges Gießen, geschützter Standort. Genau das nimmt vielen Arten das Aroma.
Zwei Gruppen, zwei Behandlungen
Mediterrane Kräuter. Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano, Lavendel, Bergbohnenkraut. Herkunft sind trockene, karge, sonnige Lagen. Sie brauchen durchlässigen, magereren Boden — Sand oder Splitt eingearbeitet —, volle Sonne und wenig Wasser. Ätherische Öle bilden sie unter Stress, nicht im Überfluss. Staunässe ist die häufigste Todesursache, besonders im Winter.
Frische Blattkräuter. Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Dill, Basilikum, Liebstöckel, Minze. Sie wollen nährstoffreichen, humosen Boden, gleichmäßige Feuchte und dürfen halbschattig stehen. Hier ist Kompost sinnvoll.
Wer beide Gruppen in ein Beet setzt, macht für die eine oder andere Hälfte einen schlechten Kompromiss. Getrennte Bereiche sind einfacher als jeder Trick.
Standort und Aufbau
Ein klassischer Kräuterhügel oder ein erhöhtes Beet mit magerem, durchlässigem Substrat löst das Wasserproblem für Mediterrane. Eine Trockenmauer oder Steine in der Nähe speichern Wärme. Für Blattkräuter reicht ein normales Beet, gern nahe der Küchentür — Kräuter, die zwanzig Meter entfernt wachsen, werden nicht geschnitten.
Ausbreitungsfreudige Arten gehören eingegrenzt: Minze und Zitronenmelisse mit Wurzelsperre oder im Topf, Liebstöckel wegen der Größe an den Rand, Beinwell nur, wo er bleiben darf.
Ernten heißt schneiden
Kräuter werden durch Schnitt buschig. Wer nur einzelne Blätter abzupft, bekommt lange, kahle Triebe. Richtig ist: Triebspitzen und Stängelabschnitte über einem Blattpaar schneiden, bei Schnittlauch handbreit über dem Boden.
Der Erntezeitpunkt für den Vorrat liegt vor der Blüte, morgens nach dem Abtrocknen des Taus. Dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Nach der Blüte werden viele Kräuter bitter oder verholzen.
Bei mediterranen Halbsträuchern ist ein Rückschnitt im Frühjahr wichtig: leicht ins alte Holz, aber nicht in kahle Bereiche ohne Austriebsknospen. Lavendel und Salbei verholzen und werden lückig, wenn dieser Schnitt jahrelang ausfällt.
Trocknen, einfrieren, einlegen
Trocknen funktioniert bei allen ölreichen, festeren Kräutern: Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei, Bohnenkraut, Minze. Locker gebündelt, dunkel, luftig, unter 40 Grad. Direkte Sonne bleicht aus und vertreibt die Öle. Fertig ist es, wenn Blätter rascheln; anschließend luftdicht und dunkel lagern, ganz statt gerebelt.
Einfrieren ist für Petersilie, Dill, Schnittlauch, Kerbel und Basilikum die bessere Wahl — getrocknet verlieren sie fast alles. Gehackt in Portionen, gern mit etwas Wasser oder Öl in Eiswürfelformen.
In Öl oder Essig einlegen funktioniert, ist aber kein Konservierungsverfahren im engeren Sinn: Kräuteröle mit frischen Kräutern gehören in den Kühlschrank und werden zügig verbraucht.
Was mehrjährig bleibt und was jedes Jahr neu kommt
Mehrjährig und winterhart in den meisten Lagen: Thymian, Salbei, Oregano, Schnittlauch, Liebstöckel, Minze, Zitronenmelisse, Estragon, Ysop, Weinraute. Rosmarin und Lavendel sind sortenabhängig grenzwertig und brauchen trockenen Winterstand.
Einjährig oder zweijährig: Basilikum, Dill, Kerbel, Koriander, Bohnenkraut, Petersilie. Petersilie und Dill lohnen mehrere Aussaaten über die Saison; Basilikum ist ohne Wärme unzufrieden und im Haus oder Gewächshaus meist besser dran.
Und ein Tipp, der wenig kostet: Doldenblütler wie Dill, Koriander und Fenchel im zweiten Jahr blühen lassen. Das kostet ein paar Blätter und bringt Schwebfliegen und Schlupfwespen in den Garten.