Kompost richtig führen: Von Grünschnitt zu Erde
Ein Komposthaufen verrottet auch ohne Zutun. Ob dabei etwas Brauchbares entsteht, entscheidet sich in den ersten Wochen.
Redaktion Öko-Anbau5 Min. Lesezeit

Guter Kompost riecht nach Waldboden, schlechter nach Fäulnis. Der Unterschied liegt an drei Stellschrauben, die alle in den ersten Wochen gestellt werden: Mischung, Luft und Feuchte.
Kompostieren ist ein biologischer Prozess, kein Lagern. Mikroorganismen bauen organisches Material ab, und sie brauchen dafür dieselben Dinge wie alle Lebewesen: Nahrung im richtigen Verhältnis, Sauerstoff und Wasser. Fehlt eines, kippt der Prozess.
Das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff
Die wichtigste Größe ist das C/N-Verhältnis — grob gesagt das Verhältnis von „braunem" zu „grünem" Material:
- Grün, stickstoffreich: Rasenschnitt, Küchenabfälle, Gemüsereste, frisches Unkraut, Mist
- Braun, kohlenstoffreich: Herbstlaub, Stroh, Häckselgut, Karton, dünne Zweige
Nur Grün führt zu einem nassen, luftlosen Haufen, der fault und nach Ammoniak riecht. Nur Braun passiert über Jahre fast nichts. Die Praxisregel: etwa gleiche Volumenanteile, in Schichten oder gut vermischt eingebaut. Grasschnitt niemals in dicker Lage — er verklebt und schließt die Luft aus.
Luft
Die gewünschte Rotte ist aerob, sie braucht Sauerstoff. Ein zu dicht gepackter oder zu nasser Haufen wird anaerob: Es entstehen Fäulnisgase, der Geruch wird unangenehm, und die Umsetzung stockt.
Dagegen hilft grobes Strukturmaterial im Aufbau — Zweige, Häcksel, Staudenstängel — und Umsetzen. Einmal umsetzen nach einigen Wochen bringt mehr als jeder Zusatz: Es lockert, mischt Außenmaterial nach innen und startet die Rotte neu an.
Feuchte
Das Material soll sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm. Nimmt man eine Handvoll und presst sie, sollen höchstens ein, zwei Tropfen kommen. Zu trocken bedeutet Stillstand, zu nass bedeutet Fäulnis. Ein Haufen in praller Sonne braucht in trockenen Wochen Wasser; einer im Dauerregen eine Abdeckung.
Die Phasen
Ein gut angesetzter Haufen durchläuft zwei Abschnitte. Zuerst die heiße Phase: Die Temperatur steigt binnen Tagen deutlich an, weil die Mikroorganismen auf Hochtouren arbeiten. Diese Wärme ist erwünscht, sie tötet einen Teil der Unkrautsamen und Krankheitserreger ab. Danach die Reifephase: Die Temperatur sinkt, Pilze und Bodentiere übernehmen, das Material wird dunkel, krümelig und erdig im Geruch.
Fertig ist der Kompost, wenn sich das Ausgangsmaterial nicht mehr erkennen lässt und der Haufen nicht mehr nachheizt.
Was nicht hineingehört
- Gekochte Speisereste, Fleisch und Fisch — ziehen Ratten an
- Kranke Pflanzenteile mit dauerhaften Erregern, etwa Kohlhernie
- Wurzelunkräuter wie Quecke und Giersch, wenn der Haufen nicht zuverlässig heiß wird
- Samentragendes Unkraut aus demselben Grund
- Behandeltes Holz, Kohleasche, Hochglanzpapier
Verwendung
Reifer Kompost ist kein Dünger im engeren Sinn, sondern vor allem Bodenverbesserer: Er bringt organische Substanz, Bodenleben und Struktur. Ausgebracht wird er flach — in die obersten Zentimeter eingearbeitet oder als Mulchschicht. Tief untergegraben liegt er in einer Zone ohne Sauerstoff und nützt wenig.
Für die Beetplanung heißt das: Kompost zu den Starkzehrern, im Jahr davor oder im zeitigen Frühjahr. Schwachzehrer brauchen ihn nicht und danken ihn auch nicht.