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Anbau

Kartoffeln im Ökolandbau: Ein Wettlauf mit der Krautfäule

Vorkeimen, früh pflanzen, früh ernten — die Strategie zielt darauf, vor dem Befall fertig zu sein.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Rapsfeld mit Windrädern und Datenvisualisierung

Die Kartoffel ist die anspruchsvollste Ackerkultur im Ökobetrieb. Ohne wirksames Fungizid entscheidet der Zeitplan über den Ertrag.

Kartoffeln bringen im Ökolandbau hohe Deckungsbeiträge und tragen das größte Risiko. Der Grund heißt Phytophthora infestans, die Kraut- und Knollenfäule. Sie lässt sich mit den zulässigen Mitteln nicht stoppen, nur verzögern — deshalb ist die gesamte Anbaustrategie ein Rennen gegen den Zeitpunkt des Befalls.

Die Strategie: früh fertig sein

Vorkeimen. Pflanzgut über zwei bis vier Wochen bei etwa zehn bis fünfzehn Grad im Licht antreiben, bis kurze, kräftige Keime stehen. Das bringt einen Entwicklungsvorsprung von einer bis zwei Wochen — im Ökokartoffelbau die wirksamste einzelne Maßnahme.

Früh pflanzen, aber in warmen Boden. Zu früh in kalten, nassen Boden gelegt, wächst nichts und Rhizoctonia bekommt Vorsprung. Ziel ist ein zügiger Feldaufgang.

Kurze Sorten wählen. Frühe und mittelfrühe Sorten mit belegter Krautfäuletoleranz bringen Ertrag ins Trockene, bevor der Druck steigt. Späte, hochanfällige Sorten sind im Ökoanbau nur in Gunstlagen sinnvoll.

Krautminderung planen. Wenn Befall einsetzt, wird das Kraut mechanisch entfernt oder abgeflammt, damit Sporen nicht in die Knollen wandern. Das kostet Ertrag, sichert aber die Lagerfähigkeit — der Termin dafür ist eine der schwersten Entscheidungen der Saison.

Kupfer: begrenzt und nicht ausreichend

Kupferpräparate wirken vorbeugend und werden im Ökoanbau eingesetzt, unterliegen aber Mengenobergrenzen; Verbände setzen teils niedrigere Grenzen. Bei starkem Infektionsdruck reicht Kupfer nicht, um einen Bestand zu halten. Wer damit kalkuliert, kalkuliert falsch: Es verschiebt den Zusammenbruch, es verhindert ihn nicht.

Beikraut und Bodenpflege

Kartoffeln decken früh, aber die Phase bis zum Reihenschluss braucht Bearbeitung: Blindstriegeln, dann Häufeln in mehreren Durchgängen. Das Häufeln erledigt Beikrautregulierung, Bodenlockerung und Dammaufbau in einem und schützt Knollen vor Licht und vor Sporen von oben.

Wichtig ist der letzte Durchgang vor Reihenschluss — danach kommt keine Maschine mehr in den Bestand.

Die anderen Gegner

Drahtwurm. Larven des Schnellkäfers, besonders nach mehrjährigem Grünland oder Kleegras. Die Gegenmaßnahme ist die Fruchtfolgestellung: Kartoffeln nicht direkt nach mehrjährigem Kleegras, sondern mit einem Getreidejahr Abstand. Befallene Ware ist unverkäuflich.

Kartoffelkäfer. Bei Massenauftreten sind Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis subsp. tenebrionis zugelassen, wirksam vor allem gegen junge Larven. Der Termin ist entscheidend; ausgewachsene Larven werden kaum erfasst. In kleinen Beständen ist Absammeln realistisch.

Rhizoctonia und Schorf. Kommen über Pflanzgut und Boden; gesundes, zertifiziertes Pflanzgut und zügiger Aufgang sind die Antwort.

Nematoden. Fruchtfolge und resistente Sorten, dazu strenge Hygiene bei Technik und Erde.

Ernte und Lager

Bei trockenem Wetter und ausreichend abgereifter Schale ernten, damit die Knollen lagerfähig sind. Danach zwei Wochen Wundheilphase bei etwa 12 bis 15 Grad und hoher Luftfeuchte, anschließend langsam auf Lagertemperatur abkühlen: Speiseware kühler, Verarbeitungsware wärmer, weil sonst Zucker eingelagert wird.

Chemische Keimhemmung ist im Ökobereich nicht zulässig. Gesteuert wird über Temperatur, Belüftung und Dunkelheit — und über die Sortenwahl, weil Sorten sich in Keimruhe deutlich unterscheiden.

Die Rechnung

Kartoffeln im Ökobetrieb sind eine Kultur für Betriebe mit passender Technik, Lager und Vermarktung. Der Deckungsbeitrag ist hoch, die Streuung zwischen Jahren ebenfalls. Wer einsteigt, plant konservativ: mit einem Jahr in fünf, in dem der Bestand vorzeitig zusammenbricht.

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