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Markt

Direktvermarktung: Wann sich der eigene Absatzweg rechnet

Der höchste Preis je Einheit nützt wenig, wenn die Stunden dafür an anderer Stelle fehlen. Eine nüchterne Rechnung.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Besprechung in einem begrünten Büro

Hofladen, Marktstand, Abokiste: Die Direktvermarktung verspricht, die Handelsspanne im Betrieb zu behalten. Sie verlagert damit aber auch Vertrieb, Logistik und Ausfallrisiko dorthin — und die kosten Zeit, die in der Saison ohnehin knapp ist.

Zwischen Erzeugerpreis und Ladenpreis liegt eine Spanne, die im Handel bleibt. Der Gedanke, sie selbst zu verdienen, ist naheliegend. Die Frage ist nur, was der Betrieb dafür einsetzen muss.

Die vier üblichen Wege

Hofladen. Höchste Bindung, planbare Kundschaft, aber gebunden an Öffnungszeiten und Personal. Rechnet sich vor allem bei ausreichend Verkehr in der Nähe oder bei einem Sortiment, das über die eigene Erzeugung hinausgeht — was wiederum Zukauf, Handelszertifizierung und Lagerhaltung bedeutet.

Wochenmarkt. Geringere Fixkosten, dafür jede Woche Aufbau, Anfahrt und Standzeit. Zwei Markttage binden schnell eine ganze Arbeitskraft, und der Umsatz hängt am Wetter.

Abokiste. Planbarster Absatz von allen, weil die Menge im Voraus feststeht. Verlangt aber verlässliche Vielfalt über die ganze Saison — was ohne Zukauf kaum geht — und eine funktionierende Logistik. Kundenbindung ist hoch, Kundengewinnung aufwendig.

Automat und Selbstbedienung. Niedrige Personalkosten, rund um die Uhr, gut für ein schmales Sortiment. Schwund und Technikkosten müssen einkalkuliert werden.

Was die Rechnung wirklich bestimmt

Der entscheidende Posten ist nicht der Preis, sondern die Arbeitszeit. Wer eine Stunde im Verkauf steht, steht sie nicht im Bestand. In der Hauptsaison konkurriert die Direktvermarktung genau mit den Arbeitsspitzen, an denen der Betrieb ohnehin am dünnsten besetzt ist.

Realistisch anzusetzen sind neben der reinen Verkaufszeit:

  • Ernte in verkaufsfähiger Qualität, Waschen, Sortieren, Abpacken
  • Auszeichnung und Preispflege
  • Buchführung, Kassenpflichten, Kartenzahlung
  • Werbung, Website, Social Media, Kundenkommunikation
  • Retouren und nicht verkaufte Ware

Erst nach Abzug dieser Zeiten lässt sich der erzielte Stundenlohn mit dem vergleichen, was dieselbe Stunde im Feld oder im Stall gebracht hätte.

Rechtliches, das oft übersehen wird

Wer direkt an Endverbraucher verkauft, wird lebensmittelrechtlich zum Inverkehrbringer. Damit gelten Kennzeichnungspflichten, Hygieneanforderungen an Räume und Abläufe und — bei Bio-Ware — die Frage, ob die eigene Zertifizierung den Verkauf abdeckt. Verarbeitete Erzeugnisse und zugekaufte Ware erweitern den Kontrollumfang.

Steuerlich verschiebt Zukauf und Verarbeitung die Grenze zwischen Landwirtschaft und Gewerbe. Das ist kein Randthema, sondern kann die Besteuerung des ganzen Betriebs betreffen — vor dem Aufbau eines Sortiments gehört das geklärt.

Wann es sich lohnt

Die Direktvermarktung trägt sich am ehesten, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein Standort mit Nachfrage, eine Arbeitskraft, die dafür ausgelegt ist statt nebenher mitzulaufen, und ein Sortiment, das über eine lange Saison trägt.

Fehlt eines davon, ist der Vorvertrag mit einem verlässlichen Abnehmer oft die wirtschaftlich klügere Entscheidung — auch wenn der Preis je Einheit niedriger aussieht.

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