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Politik

Biodiversität: Was Ökolandbau messbar leistet — und was nicht

Mehr Arten je Fläche, geringere Erträge je Fläche. Die Bewertung hängt davon ab, worauf man rechnet.

Redaktion Öko-Anbau6 Min. Lesezeit

Illustration einer Weltkugel mit Nachhaltigkeitssymbolen

Studien zeigen auf Ökoflächen im Schnitt deutlich mehr Arten. Gleichzeitig braucht die gleiche Erntemenge mehr Fläche. Beides gehört in die Bilanz.

Bei kaum einem Thema liegen Befund und Streit so dicht beieinander. Dass auf ökologisch bewirtschafteten Flächen mehr Arten leben, ist gut belegt. Was daraus für die Gesamtbilanz folgt, ist es nicht.

Der Befund je Fläche

Metaanalysen kommen übereinstimmend zu einem deutlichen Plus an Artenzahl und Individuendichte auf Ökoflächen — besonders ausgeprägt bei Ackerwildkräutern, Laufkäfern, Wildbienen und Feldvögeln. Die Gründe sind bekannt und wenig überraschend: kein Herbizideinsatz, keine Insektizide mit breiter Wirkung, weitere Fruchtfolgen, mehr Kleegras und Grünlandanteil, mehr Bodenbedeckung über das Jahr und in der Regel kleinere Schlaggrößen.

Besonders wirksam ist der Verzicht auf Herbizide. Ackerwildkräuter sind die Basis für Insekten, und Insekten sind die Basis für Vögel. Diese Kette erklärt den größten Teil des Unterschieds.

Der Einwand je Ertrag

Ökologischer Landbau erzielt niedrigere Erträge je Hektar — je nach Kultur und Standort in der Größenordnung von einem Fünftel bis zur Hälfte weniger. Wer Umweltwirkungen nicht je Hektar, sondern je Tonne Erzeugnis bewertet, kommt deshalb zu einem anderen Ergebnis: Für die gleiche Menge braucht es mehr Fläche, und diese Fläche fehlt an anderer Stelle — im Extremfall als Ausgleich in Regionen mit hohem Naturwert.

Beide Rechnungen sind methodisch korrekt. Sie beantworten verschiedene Fragen. Die Flächenrechnung fragt: Was passiert auf diesem Acker? Die Ertragsrechnung fragt: Was passiert global, wenn die Nachfrage konstant bleibt?

Wo die Debatte weiterführt

Interessant wird es dort, wo sich beides verbinden lässt. Drei Ansätze werden regelmäßig genannt.

Ertragslücke verkleinern. Bessere Sorten für Ökobedingungen, Untersaaten, optimierte Fruchtfolgen und Präzisionstechnik in der Beikrautregulierung heben Öko-Erträge, ohne das System zu verlassen.

Nachfrage verschieben. Ein Teil der Ertragsfrage ist eine Futterfrage. Weniger tierische Erzeugnisse würden Fläche freisetzen, die die Ertragslücke ausgleicht — der einzige Hebel, der beide Rechnungen gleichzeitig verbessert.

Struktur statt Etikett. Hecken, Blühstreifen, Feldränder, Altgrasstreifen, Lerchenfenster und kleine Schläge wirken unabhängig von der Bewirtschaftungsform. Ein konventioneller Betrieb mit hohem Strukturanteil kann artenreicher sein als ein strukturarmer Ökobetrieb mit großen Schlägen.

Was Ökobetriebe konkret verbessern können

Der letzte Punkt ist der praktisch wichtigste, weil er in der Hand des Betriebs liegt. Bewährt sind mehrjährige Blühstreifen an Feldrändern, gestaffelte Mähtermine im Grünland, Verzicht auf Mahd von innen nach außen, Altgrasinseln, Hecken mit Saumstreifen, Ansitzwarten und der Erhalt von Einzelbäumen.

Im Ackerbau zählt außerdem die Mahd- und Erntetechnik: Aufsitzende Mähbalken statt Rotationsmäher, Doppelmesser, langsame Fahrgeschwindigkeit und Verzicht auf Aufbereiter reduzieren Insektenverluste erheblich. Bei Kleegras ist der Schnittzeitpunkt der größte Einzelfaktor für Brutvögel.

Die ehrliche Fassung

Ökolandbau ist auf der Fläche eindeutig die artenreichere Bewirtschaftung. Er ist keine vollständige Antwort auf die Frage, wie sich Biodiversitätsschutz und Ernährungssicherung global vereinbaren lassen. Wer den Beitrag maximieren will, kombiniert die ökologische Wirtschaftsweise mit Strukturelementen und schließt die Ertragslücke, wo es geht — statt eine der beiden Rechnungen wegzudiskutieren.

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