Agroforst und Ökolandbau: Schlüssel zur Ernährungssicherheit 2030
Agroforst und Ökolandbau als Schlüsselstrategien bis 2030
Redaktion Öko-Anbau7 Min.

Die Klimakrise führt zu Ernteausfällen in Deutschland. Experten setzen auf Agroforst und Ökolandbau, um die Resilienz der Landwirtschaft bis 2030 zu erhöhen. Kurzfristige Liquiditätshilfen sind keine langfristige Lösung für die drängenden Probleme der Landwirte.
Die Klimakrise stellt die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen, die sich in Ernteausfällen und sinkenden Erträgen niederschlagen. Hitze, Dürre und Starkregen prägen zunehmend die Wetterlage und gefährden die Ernährungssicherheit in Deutschland. Angesichts dieser Situation setzen Experten auf Agroforst und Ökolandbau als Schlüsselstrategien zur Sicherung der Ernten bis 2030. Während kurzfristige Liquiditätshilfen zwar notwendig erscheinen, sind sie kein langfristiger Lösungsansatz für die drängenden Probleme der Landwirte.
Agroforstsysteme, die Bäume in landwirtschaftliche Flächen integrieren, können nicht nur das Mikroklima verbessern, sondern auch die Erosion des Bodens verringern und die Wasseraufnahmefähigkeit durch Humusaufbau steigern. Gleichzeitig soll der Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe bis 2030 auf 30 Prozent steigen, um die Resilienz der Landwirtschaft zu erhöhen. Diese Entwicklungen sind für Landwirte, Verbraucher und die gesamte Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, um auch in Zukunft eine nachhaltige und gesicherte Nahrungsmittelproduktion zu gewährleisten.
Klimakrise bedroht Ernten: Soforthilfen nicht ausreichend
Die Klimakrise hat in Deutschland bereits spürbare Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Extreme Wetterbedingungen wie Hitze, Dürre und Starkregen führen zunehmend zu Ernteausfällen. Besonders betroffen sind die Regionen im Süden und Westen des Landes, wo die Ernteerträge in diesem Jahr erheblich gesunken sind. Trotz dieser alarmierenden Entwicklungen setzt die Bundesregierung vermehrt auf kurzfristige Liquiditätshilfen, die jedoch keine nachhaltige Lösung für die Herausforderungen der Landwirtschaft darstellen. Diese Hilfen sind kaum geeignet, die langfristigen Anpassungen an die neuen klimatischen Gegebenheiten zu fördern oder die Landwirtschaft auf zukunftsfähige Anbausysteme umzustellen.
Die Herausforderungen sind erheblich: Hitze- und Dürresommer, wie sie in den Jahren 2018 und 2022 zu beobachten waren, wechseln sich mit Starkregen und Sturzfluten ab. Diese Extremwetterereignisse erfordern nicht nur Soforthilfen, sondern eine grundlegende Neuausrichtung der Anbaupraktiken. Der Druck auf die Böden und die Wasserverfügbarkeit steigen, und bei unzureichender Anpassung drohen weitere Ernteverluste. Zudem zeigt ein Prüfbericht des Expert*innenrates für Klimafragen, dass die aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung nicht ausreichend ist, um die gesetzlichen Klimaziele bis 2040 zu erreichen.
Um der Bedrohung durch den Klimawandel wirksam zu begegnen, ist ein Umdenken in den agrarpolitischen Rahmenbedingungen notwendig. Die Förderung von ökologischen Anbausystemen und der Ausbau von Agroforstprojekten sind entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft zu erhöhen und die Erträge nachhaltig zu sichern.
Agroforst als Antwort auf Klimaherausforderungen
Agroforstsysteme integrieren Bäume in landwirtschaftlich genutzte Flächen und stellen eine vielversprechende Antwort auf die Herausforderungen der Klimakrise dar. Diese Systeme bieten nicht nur Schatten, der den Boden vor Austrocknung schützt, sondern verbessern auch das Mikroklima, was die Resilienz der Betriebe gegenüber extremen Wetterbedingungen signifikant steigert. Insbesondere in Zeiten von Dürre und Hitze können Agroforstsysteme die Verdunstung reduzieren und damit die Wasserverfügbarkeit im Boden erhöhen.
Bäume spielen eine entscheidende Rolle, indem sie den Boden vor Erosion schützen. Die Wurzeln stabilisieren die Erde und verhindern, dass fruchtbare Schichten durch Wind und Wasser abgetragen werden. Eine Studie zeigt, dass in Agroforstsystemen die Bodenerosion um bis zu 50 Prozent gesenkt werden kann.
In Deutschland wurde seit Januar 2023 ein rechtssicherer Rahmen für die Anlage von Agroforstsystemen geschaffen, was es Landwirten erleichtert, auf diese nachhaltigeren Anbausysteme umzusteigen. Die Bundesregierung hat auch Förderprogramme ins Leben gerufen, um den Ausbau von Agroforst zu unterstützen. Die Integration von Obst-, Beeren- und Nussgehölzen in traditionelle Anbausysteme könnte zudem die Artenvielfalt fördern und zusätzliche Einkommensquellen für Landwirte schaffen.
Die Kombination von Bäumen und Anbaukulturen bietet eine Synergie, die nicht nur die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels erhöht, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit in den kommenden Jahren leisten kann.
Ökolandbau: Widerstandsfähigkeit durch Humusaufbau
Der ökologische Landbau erweist sich als ein entscheidender Faktor für die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft angesichts der Klimakrise. Durch gezielten Humusaufbau wird der Humusgehalt der Böden erhöht, was die Wasserspeicherfähigkeit signifikant verbessert. Dies ist besonders wichtig, da Humus in der Lage ist, das Fünffache seines Gewichts an Wasser zu speichern. Ein gesunder Humusgehalt kann daher dazu beitragen, die negativen Auswirkungen von Dürreperioden zu mildern und die Erträge stabil zu halten.
Die Bundesregierung hat das Ziel formuliert, dass bis 2030 30 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch wirtschaften sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Ausbau des ökologischen Landbaus unerlässlich. Dies erfordert nicht nur eine Umstellung der Anbaupraktiken, sondern auch eine umfassende Förderung und Unterstützung durch politische Rahmenbedingungen.
Die Förderung des Ökolandbaus ist nicht nur ein Schritt zur Verbesserung der Bodenqualität, sondern auch eine Maßnahme zur Sicherstellung der Ernährungssicherheit in Deutschland. Durch den Anbau von vielfältigen Kulturen und die Integration von Fruchtfolgen wird die Biodiversität gefördert, was wiederum die Resilienz der Landwirtschaft gegenüber extremen Wetterereignissen stärkt. Die Praxis des ökologischen Anbaus könnte in Kombination mit anderen nachhaltigen Anbausystemen, wie Agroforst, einen bedeutenden Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen der Klimakrise leisten.
Politische Rahmenbedingungen und notwendige Maßnahmen
Trotz der Fortschritte in der rechtlichen Absicherung von Agroforstsystemen und dem dringenden Bedarf an Förderungen wird der Ökolandbau im Haushalt für 2027 erneut um ein Drittel gekürzt. Diese Reduzierung der finanziellen Mittel ist besonders besorgniserregend, da die Herausforderungen durch die Klimakrise weiter zunehmen. Um die Finanzierung nachhaltiger Landwirtschaft zu sichern, sind dringend politische Maßnahmen erforderlich. Die Bundesregierung muss endlich einen klaren Kurs für die Unterstützung ökologischer Praktiken verfolgen, um die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft zu stärken.
Ziel sollte es sein, die Förderung des Ökolandbaus signifikant zu erhöhen, da dieser Ansatz nicht nur ökologisch wertvoll ist, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Der Anbau von Humus-reichen Böden verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und verringert somit das Risiko von Ernteausfällen in Dürreperioden. In Anbetracht der Prognosen, dass bis 2030 30 Prozent der Betriebe ökologisch wirtschaften sollen, sind Investitionen in diese Form der Landwirtschaft unerlässlich.
Zudem ist die Integration von Agroforstsystemen in die landwirtschaftliche Praxis eine Schlüsselmaßnahme für die Anpassung an klimatische Veränderungen. Diese Systeme bieten nicht nur Schutz vor Austrocknung, sondern tragen auch zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Um diese positiven Effekte zu verstärken, müssen politische Entscheidungsträger jetzt handeln und die Rahmenbedingungen schaffen, die eine nachhaltige Transformation der Landwirtschaft ermöglichen.
Handlungsbedarf: Anbaupraktiken und Förderung optimieren
Um die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu erhöhen, müssen Landwirt*innen auf agroökologische Anbausysteme umstellen. Ein zentraler Aspekt hierbei ist die Anwendung von durchdachten Fruchtfolgen und Mischkulturen. Diese Praktiken fördern die Bodenfruchtbarkeit und tragen dazu bei, Schädlinge und Krankheiten auf natürliche Weise zu regulieren. Beispielsweise kann die Kombination von Hülsenfrüchten mit Getreide nicht nur die Nährstoffversorgung durch Stickstofffixierung verbessern, sondern auch die Erträge steigern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die flächengebundene Tierhaltung, die eine nachhaltige Düngung der Flächen ermöglicht. Durch die Integration von Tieren in den Fruchtfolgezyklus können Landwirt*innen die Nährstoffkreisläufe auf ihren Betrieben optimieren. Dies erfordert jedoch eine sorgfältige Planung, um die Tierbestände an die verfügbaren Futterressourcen anzupassen und Überdüngung zu vermeiden.
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 30 Prozent der Betriebe auf ökologische Wirtschaftsweisen umzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind umfassende Fördermaßnahmen notwendig. Die rechtliche Absicherung von Agroforstsystemen, die bereits seit Januar 2023 besteht, sollte durch finanzielle Unterstützung ergänzt werden. Nur so können Landwirt*innen die notwendigen Investitionen tätigen, um auf widerstandsfähige Anbausysteme umzustellen und die Ernährungssicherheit in Deutschland langfristig zu gewährleisten.
Häufige Fragen
Was sind Agroforstsysteme und wie funktionieren sie?
Agroforstsysteme kombinieren landwirtschaftliche Flächen mit Bäumen und Sträuchern, was zahlreiche Vorteile bietet. Die Bäume spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und reduzieren die Verdunstung, wodurch die Böden besser vor Austrocknung geschützt sind. Zudem fördern sie die Biodiversität, bieten Lebensräume für verschiedene Tierarten und verhindern Bodenerosion durch Wind und Wasser.
Wie kann der Ökolandbau zur Anpassung an den Klimawandel beitragen?
Ökolandbau erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen klimatische Extreme, da er Humus im Boden aufbaut. Humus kann das Fünffache seines Gewichts an Wasser speichern, was besonders in Dürreperioden wichtig ist. Zudem fördert eine artenreiche ökologische Landwirtschaft die Struktur und Fruchtbarkeit der Böden, was die Ernteerträge auch in Zeiten extremer Wetterbedingungen sichert.
Welche politischen Maßnahmen sind notwendig, um die Landwirtschaft zu unterstützen?
Um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen, sind gezielte Investitionen in den Ökolandbau und Agroforstsysteme erforderlich. Statt kurzfristiger Liquiditätshilfen sollten langfristige Förderprogramme etabliert werden, um den Umbau der Landwirtschaft zu unterstützen. Eine Erhöhung der finanziellen Mittel für den Ökolandbau und die Förderung nachhaltiger Praktiken sind essenziell, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen und die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.